Kämpferinnen des Geistes


In einem südgeorgischen Bergdorf lebt die ethnisch-religiöse Sekte der „Duchoboren“. Die Frauen tragen bunte Kleider und widersetzen sich jeglicher Staatsgewalt. Leben ist für sie Gottesdienst. Ein Blick auf die letzten ihrer Art.

Katja Petrowskaja | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Natela Grigalashvili: Duchobor-Frauen auf dem Blauen Kurgan, 2014 Bild: Natela Grigalashvili

Das Erste, was ich hier sehe, sind Blumen im Wind, die auf einem saftigen grünen Hügel Blumen pflücken – blumenpflückende Blumen. Diese buntgekleideten Frauen gehören zur ethnisch-religiösen Sekte der „Duchoboren“, was wörtlich „Geisteskämpfer“ heißt.

Ihr Kampf ist gewaltfrei. Auch die Farben ihrer Kleider bezeugen ihren praktischen Glauben – mit dem eigenen Wesen offenbaren sie ihre Freude an der Schöpfung, dienen ihrem fröhlichen Christentum im Geiste. Hier, mitten im Kaukasus, wo im Alltag schwarze Bekleidung vorherrscht, gehen sie sogar zu Begräbnissen bunt gekleidet, und ihre Grabkränze sehen wie in Folie gewickelte bunte Lutscher aus.

Den Frauen ist dieser Hügel, der Blaue Kurgan, heilig. Sie kommen einmal pro Jahr im Hochsommer hierher, um zu beten, Blumen zu pflücken und zusammen mit ihrer Gemeinde zu essen, bei einer Art religiösem Picknick. Der genaue Tag ist nicht festgelegt. Vielleicht fällt das Fest auf den Tag der Farbvollkommenheit?

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