Neandertaler: Ersetzte Y-Chromosomen


Neue Spur eines frühen Kontakts: Bei Kreuzungsereignissen vor möglicherweise über 350.000 Jahren haben frühe Formen des Homo sapiens dem Neandertaler ihr Y-Chromosom übertragen. Dies geht aus der ersten umfassenden Analyse des männlichen Geschlechtschromosoms bei unseren beiden engsten archaischen Verwandten hervor. Im Gegensatz zum Neandertaler hat der Denisova-Mensch kein Y-Chromosom unserer Vorfahren abbekommen, berichten die Wissenschaftler.

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Erstmals konnte nun auch das Y-Chromosom der Neandertaler und der Denisovaner untersucht werden. (Bild: MPI f. Evolutionary Anthropology)

Es war ein Paukenschlag in der Geschichte der Anthropologie: Aus genetischen Analysen von fossilem Erbgut von Neandertalern ging hervor, dass es einst zu Vermischungen zwischen dem modernen Menschen und seinem archaischen Cousin gekommen ist. Diese Kreuzungen in der Zeit von vor etwa 40.000 bis 60.000 Jahren führten zu 1,5 bis zwei Prozent Neandertalererbgut in den Genomen von Menschen außerhalb Afrikas. Die genetischen Werkzeuge der Anthropologie deckten anschließend zudem die Existenz eines weiteren archaischen Vertreters der Gattung Homo auf. Auch dieser sogenannte Denisova-Mensch hat zum Erbgut heutiger Menschen beigetragen, zeigten Analysen. Auf der Grundlage der genetischen Vergleiche geht man davon aus, dass die Neandertaler und Denisovaner Schwestergruppen waren, die sich vor mehr als 550.000 Jahren von der Entwicklungslinie des modernen Menschen abgespalten haben.

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