Ursache von Totgeburten: Wenn eine Schwangerschaft abrupt endet


Mehr als die Hälfte der Totgeburten galt bisher als unerklärlich. Amerikanische Forscher haben im Erbgut der Kinder Auslöser für das abrupte Ende einer Schwangerschaft entdeckt.

Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Sarg für Kinder, die nie das Licht der Welt erblickt haben. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 3180 Kinder tot zur Welt gekommen. Oft liegt die Ursache bei Komplikationen in der Schwangerschaft: Die Plazenta hat sich gelöst, eine Infektion oder Schwangerschaftsvergiftung ist eskaliert, oder die schützende Fruchtblase ist weit vor der Lebensfähigkeit des Kindes geplatzt. Nicht selten ist auch eine falsche Chromosomenzahl für das tragische Geschehen verantwortlich. Allerdings fehlt auch bei mehr als der Hälfte der Totgeburten ein offensichtlicher Grund.

Die Ärzte können den Eltern dann keine Erklärung geben und ihnen nicht die Sorge nehmen, dass eine neue Schwangerschaft wieder so endet. David Goldstein von der Columbia-Universität in New York und seine Kollegen haben nun untersucht, inwiefern einzelne DNA-Veränderungen im Genom für den frühen Tod der Kinder verantwortlich sind. Seit es möglich ist, routinemäßig ganze Genome zu analysieren, können solche Analysen die Suche nach möglichen Ursachen unterstützen. Allerdings sollte geklärt werden, welche DNA-Veränderungen mit dem Leben nicht mehr vereinbar sind und mit welcher Häufigkeit sie für das abrupte Ende der Schwangerschaft nach der 22. Woche verantwortlich sind. Vor diesem Zeitpunkt, dem Eintritt in die 22. Woche, sowie bei einem Gewicht unter 500 Gramm wird offiziell von einer Fehlgeburt gesprochen, nicht von einer Totgeburt, weil die Kinder unter diesen Umständen außerhalb des Mutterleibs nicht lebensfähig sind.

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