Apostel Timmerevers: Man kann sich den Gottesdienstbesuch schnell abgewöhnen


In seinem Bistum nehme er Tendenzen wahr, dass man dahin zurückwolle, wo man vor der Corona-Pandemie aufgehört habe, sagt Bischof Heinrich Timmerevers im Interview. „Aber ich frage mich, ob das wirklich so sein muss.“

Karin Wollschläger | katholisch.de

Ein halbes Jahr lang lebt Deutschland schon mit Corona-Beschränkungen. Auch für das kirchliche Leben bedeuten sie gravierende Veränderungen, die trotz Lockerungen weiter anhalten. Im Interview spricht der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, über Auswirkungen, Erkenntnisse, Befürchtungen und Überlegungen für ein Weihnachten unter Pandemie-Bedingungen. 

Frage: Herr Bischof, seit März hat die Pandemie Deutschland nun schon im Griff – was hat es mit Ihnen inzwischen gemacht?

Timmerevers: In der Krise nimmt man sich und sein Leben mehr in den Blick: Was trägt, was gibt Halt? Ich persönlich habe viel darüber nachgedacht, wie ich mit Zeit umgehe. Wofür nehme ich mir Zeit? Eine Erkenntnis: Ich will mir mehr Zeit für Einzelbegegnungen und Gespräche nehmen. Ich nehme wahr, dass die Menschen sich sehr nach Seelsorgern sehnen, die sich Zeit nehmen und sich ihnen zuwenden.

Frage: Welche dauerhaften Veränderungen bringt Corona für das kirchliche Leben?

Timmerevers: Die Pandemie hat mir vor Augen geführt, dass wir in einigen Dingen vor allem entschleunigen und wesentlicher werden müssen. Das betrifft zum einen die vielen Sitzungen und Konferenzen, auf der Ebene des Bistums und der Bischofskonferenz. Da müssen wir uns neu fragen, wie wir sinnvoll arbeiten. Vielleicht müssen wir uns auch verschlanken und in vielen Punkten bescheidener werden.

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