Nigeria: Direktor der Gedenkstätte Auschwitz bietet an, statt 13-Jährigem in Haft zu gehen


Wegen Gotteslästerung ist in Nigeria ein 13-Jähriger zu Haft verurteilt worden. Der Chef der Gedenkstätte Auschwitz und 119 weitere wollen statt ihm Zeit verbüßen

Johannes Dieterich | DERSTANDARD

Piotr Cywiński will der von einem nigerianischen Scharia-Gericht verhängten Haftstrafe gegen einen 13-Jährigen nicht tatenlos zusehen. Foto: EPA / Lukasz Gagulski

Piotr Cywiński ist alles andere als ein Hitzkopf. Der promovierte Historiker ist seit 14 Jahren Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und ein überzeugter Vertreter des Dialogs zwischen den Religionen. Als der 48-jährige Pole jedoch kürzlich von einem Gerichtsurteil aus dem fernen westafrikanischen Staat Nigeria vernahm, war es um seine Contenance geschehen: „Bei einem so schändlichen Urteil kann man nicht gleichgültig bleiben“, wetterte er.

Der Grund seiner Empörung: In dem nordnigerianischen Bundesstaat Kano war ein 13-jähriger Junge wegen „Gotteslästerung“ von einem Scharia-Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der Bursch soll im Streit mit einem Freund unflätig über den Allmächtigen geäußert haben – was Omar Farouq genau gesagt hat, wurde nicht mitgeteilt.

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