Erdogans „Kanonenbootpolitik“ zahlt sich aus


Syrien, Libyen, östliches Mittelmeer, Kaukasus – die Türkei mischt sich immer öfter in internationale Konflikte ein oder beschwört sie herauf. Ankara lenkt damit auch von innenpolitischen Problemen ab, meint der Türkei-Experte Günter Seufert.

tagesschau.de

Das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“ im Mittelmeer | Bildquelle: AFP

tagesschau.de: Welche Rolle spielt Ankara bei den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan?

Günter Seufert: Sie spielt eine sehr zentrale Rolle. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Aserbaidschan jede denkbare Unterstützung zugesagt und sein Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat versichert, die Türkei sei bereit, Aserbaidschan direkt auf dem Felde beizustehen.

Erdogan hat Baku auch ausdrücklich ermuntert, den Konflikt jetzt militärisch zu lösen, nachdem die so genannte Minsk-Gruppe über Jahre hinweg keine diplomatische Lösung herbeiführen konnte. Wir wissen, dass türkische Drohnen in Aserbaidschan eingesetzt werden und gemäß türkischen Medien auch türkische Offiziere.

Bei jedem Konflikt „rhetorisch aufs Ganze“

tagesschau.de: Baku fühlt sich also durch Ankara dazu ermutigt, jetzt den entscheidenden Schlag zu wagen?

Seufert: Baku weiß, dass der Zeitpunkt günstig ist. Die Türkei musste sich im östlichen Mittelmeer etwas zurücknehmen, weil sich dort eine große Front gegen ihr Auftreten dort gebildet hatte und EU-Sanktionen nicht ganz ausgeschlossen werden konnten. Ankara hat daraufhin seine Rhetorik gemäßigt. Der Konflikt im Kaukasus kommt innenpolitisch deshalb nicht ganz ungelegen, weil so die Bevölkerung in einer gewissen Kriegsstimmung gehalten und hinter der Regierung versammelt werden kann.

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