Wann der Spaß über Gott und Religion aufhört: Ein schmaler Grat zur Blasphemie?


Wie weit dürfen Witze, Karikaturen oder Satire über Gott und Religion gehen? Und wann ist es Gotteslästerung? Zum Tag der Blasphemie spricht der Diakon und Kabarettist Willibert Pauels über Grenzen und unheilbringende Paragrafen.

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DOMRADIO.DE: Wie weit darf man gehen, wenn es um Gott und Verunglimpfungen geht?

Wilibert Pauels (Diakon und Kabarettist): Satire darf alles. Gott kann man nicht beleidigen, sondern man beleidigt Menschen, die an Gott glauben und denen das heilig ist. Gott kann man nicht beleidigen, sonst würde man ihn zu einem Monarchen degradieren, der darauf achtet, dass keine Majestätsbeleidigung geschieht. Und wenn Majestätsbeleidigung geschieht, dann wäre dieser Gott beleidigt. Das macht ihn klein. Aber Gott ist größer als alles und natürlich auch größer als jede Beleidigung.

Aber es geht eigentlich darum, dass Menschen in ihrem Empfinden, was ihnen heilig ist, beleidigt werden. Das ist von daher natürlich ein schmaler Grat.

Allerdings halte ich den Blasphemie-Paragrafen, den es ja in vielen, vor allen Dingen fundamentalistischen und islamistischen Systemen gibt, für einen der schlimmsten Paragrafen überhaupt. Denn er öffnet Tür und Tor für Diffamierung. Dafür gibt es viele Beispiele wie unter anderem Pakistan. Dort sitzen viele Menschen im Gefängnis, manche sogar zum Tode verurteilt, weil sie beschuldigt wurden, den Propheten oder Allah beleidigt zu haben.

Von daher hätte ich mir gewünscht, dass alle Zeitungen zum Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin Charlie Hebdo eine Karikatur des französischen Magazins zum Gedächtnis nachgedruckt hätten. Man hätte damit ganz deutlich zum Ausdruck bringen können, dass es niemals ein Grund sein darf, Menschen zu verfolgen, wenn sie die eigene Religion beleidigen. Das muss man um der Menschen willen aushalten.

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