Die nahe Zukunft als russisches Roulette


Toby Ord denkt über existentielle Gefahren für die Menschheit nach. Interstellare Außenposten sind offenbar nicht das Mittel, um Asteroiden, nuklearem Winter und Pandemien zu entkommen.

Friedemann Bieber | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Blick in die Mündung eines Revolvers (Symbolbild) Bild: dpa

Die Menschheit, so schreibt der Oxforder Philosoph Toby Ord, ähnele einem Halbwüchsigen: Während die physischen Kräfte rasant zunehmen, mangelt es noch an Weisheit, Selbstbeherrschung und einer Reflexion des eigenen Handelns. „The Precipice“ („Der Abgrund“) hat das Ziel, der Menschheit den Weg ins Erwachsenenalter zu weisen. Das ist nicht eben ein bescheidener Anspruch, doch Ord denkt – und darin liegt die Wucht dieses Buchs – nicht in Jahren, sondern in Zeitaltern, nicht aus der Perspektive des Einzelnen, sondern der Spezies.

Aus diesem Blickwinkel sieht er uns am Anfang einer noch kaum absehbaren Reise. Nur 200.000 Jahre hat Homo sapiens gebraucht, um eine den Planeten umspannende Zivilisation aufzubauen, mit Konzerthäusern, einer Raumstation und einer universalen Menschenrechtserklärung. Das Universum dürfte noch 150 Milliarden Jahre existieren; 20 Milliarden Galaxien, so schätzt Ord, könnten wir theoretisch erreichen. Seine Sorge ist, dass wir diese vielleicht einmalige Zukunft intelligenten Lebens verspielen.

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