Die (fast) ganze Geschichte der Omaima A.


Was Sie über Omaima A. wissen sollten – die Medien aber nicht berichten; nicht einmal recherchieren.

Birgit Gärtner | Frauenstandpunkt

Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) verhängte eine Haftstrafe gegen die IS-Rückkehrerin u. a. wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Fürsorgepflicht Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Omaima A. selbst Mitglied der Terrororganisation IS gewesen sei, sich der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zur Versklavung eines ezidischen Mädchens schuldig gemacht, gegen das Kriegskontrollwaffengesetz verstoßen und die Fürsorgepflicht für ihre Kinder verletzt habe. Die Bundesanwaltschaft hatte vier Jahre und zehn Monate Haft für die Angeklagte, ihr Verteidiger Tarig Elobied zwei Jahre auf Bewährung für seine Mandantin gefordert. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, ob eine der beiden Seiten Rechtsmittel dagegen einlegen wird, ist noch nicht bekannt. Sollte es in Kraft treten, dann ist damit meines Wissens zum ersten Mal eine IS-Rückkehrerin als Terroristin anerkannt und verurteilt worden. Den meisten Dschihadistinnen ist es gelungen, sich als Opfer der Umstände zu inszenieren und statt Strafe Mitleid zu bekommen. 

Danke Jenan Moussa! 

Im April 2019 wurde aufgrund der Recherchen der libanesischen Journalistin Jenan Moussa bekannt, dass in Hamburg eine IS-Rückkehrerin namens Omaima A. lebt, die dem Recherchematerial Moussas zufolge mit dem Rapper Denis Cuspert alias Deso Dogg verheiratet war und selbst tief in das Terrornetzwerk des IS verstrickt gewesen sein soll. Cuspert galt als ranghöchstes deutsches IS-Mitglied, er soll 2018 bei Kämpfen ums Leben gekommen sein. 

Scheinbar bürgerliche Existenz 

Omaima A. kehrte vermutlich im September 2016 nach Hamburg zurück, mit drei Kindern und schwanger. Im Stadtteil Harburg lebte sie unauffällig als Beauty-Beraterin und Übersetzerin. Ganz so geläutert, wie sie tat, ist sie dann wohl doch nicht, wie Recherchen von Jenan Moussa und auch von Telepolis ergaben. So war dem Material zu entnehmen, das Jenan Moussa der Hamburger Staatsanwaltschaft präsentierte, dass die IS-Rückkehrerin auf der Facebookseite von „Ansaar International“ kommentierte. Sie avisierte Sachspenden, was zunächst völlig unverdächtig ist. Brisant ist nur, dass sie diese einer Organisation aus dem salafistischen Spektrum zukommen lassen wollte, der vom Bundesinnenministerium vorgeworfen wird, die HAMAS zu unterstützen. Das wird seitens „Ansaar International“ indes bestritten. 

Im September 2019 wurde sie festgenommen und im März 2020 erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen sie. Bei ihrer Verhaftung zeigt sie den für den IS typischen erhobenen Zeigefinger. Möglicherweise eine Botschaft an ihr Umfeld. Ihr Anwalt Tarig Elobied versuchte vor Gericht in Bezug auf seine Mandantin den Anschein einer harmlosen Hausfrau zu erwecken, die quasi nichtsahnend in das Abenteuer Kalifat stolperte und im Grunde nur ihren beiden verblichenen Ehemännern den Haushalt führte. 

Einkaufsparadies für die „wirklich“ Gläubigen 

Anfang 2012 trat Noura A. mit einem seinerzeit als ungewöhnlich erachteten Ansinnen an die zuständige Behörde, das Bezirksamt Hamburg-Harburg, heran: Sie wollte ein Einkaufszentrum errichten. Allerdings – und deshalb führte es zu heftigen Diskussionen innerhalb der und unter den in der Bezirksversammlung vertretenen Fraktionen – „for muslims only“. Das Objekt sollte den Namen „Firdaus Center“ bekommen, was übersetzt „Paradies-Center“ heißt. Noura A. trat gemeinsam mit ihrer Schwester (oder Mutter)auf: Omaima A., die Jahre später weltweit für Schlagzeilen sorgen sollte. Ob Noura A. die Schwester oder die Mutter ist, da bin ich mir nicht ganz sicher. Als ich den Artikel über diese Verbindungen schrieb, las ich, es sei die Schwester, später, sie sei die Mutter. Bei der leben nun die vier Kinder von Omaima A. … 

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