Die Polizei, Dein Freund und Feind

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Manchmal sind sie willkommen, häufiger eher nicht: Polizisten haben es schwer. Die aktuelle Kritik wegen „racial profiling“ und Rechtsextremen in den eigenen Reihen macht es nicht einfacher. Höchste Zeit, sich den Job mal genauer anzusehen

Björn Hendrig | TELEPOLIS

Auf Facebook kursiert seit einiger Zeit ein schwarzes Plakat mit drei auf rotem Grund groß geschriebenen Worten: „Liebe Polizei“ und „Danke!“ Dazwischen steht zu lesen: „Greift ihr durch, ist es Polizeigewalt! Tut ihr es nicht, wird gefragt, wo ihr gewesen seid! Ihr habt nicht genug Personal, und die Politik macht es euch zusätzlich immer schwerer, eurer Arbeit richtig nachzugehen! Danke, dass ihr es trotzdem versucht!“ Und zum Schluss der Aufruf: „Teilen, wenn ihr unsere Polizei unterstützt!“ Inzwischen gut 190.000 User haben dies getan.

Undankbarer Job: zu viel oder zu wenig Gewalt!

Das klingt nach einem ziemlich undankbaren Job. Nehmen sie ihre Aufgabe wahr, gibt es Kritik. Lassen sie es sein, auch. Allerdings kommen die Beschwerden nicht unbedingt von denselben Absendern: Im ersten Fall wird ein Zuviel an polizeilichem Eingriff moniert, und zwar von den Betroffenen und Beobachtern. Im zweiten wird eben ein solcher Eingriff vermisst, von Personen, die sich ihn gewünscht hätten – zum Beispiel zu ihrem Schutz oder zur Abwehr gegen Sachbeschädigung.

Es kann aber auch sein, dass beide Fälle von ein und derselben Person erlebt werden. Bei einer Demonstration beispielsweise wird sie von Polizisten aus ihrer Sicht ungerecht attackiert; bei einem Spaziergang wird sie überfallen, doch kein Polizist ist weit und breit, um ihr zu helfen.

Neben dieser immer wiederkehrenden Kritik gerät aktuell die Polizei in die öffentliche Schusslinie wegen „racial profiling“ und Rechtsextremen in den eigenen Reihen. Zur Einschätzung der Krawalle in Stuttgart am 20. Juni hatten die Ermittler bei Standesämtern nachgeforscht. Sie wollten wissen, ob deutsche Tatverdächtige einen Migrationshintergrund haben. Der Vorwurf des Rassismus war schnell im Raum.

Noch lauter wurde die Kritik an der Polizei in Frankfurt, aus deren Reihen persönliche Daten von Politikern an Rechtsextreme geschickt wurden. Die diese offenbar für direkte Beschimpfungen und Drohungen gegenüber Künstlern und Politikern nutzten, unterzeichnet mit „NSU 2.0“. Heftige Empörung auch über faschistoide Chats unter Ordnungshütern – zufällig entdeckt bei Beamten in Mülheim an der Ruhr.

Irgendwie beliebt, aber auch irgendwie nicht

Trotz aller alten und neuen Kritik, vielen Überstunden und Personalmangel hält es rund eine Viertel Million deutsche Bürger nicht davon ab, bei der Polizei täglich ihren Dienst zu tun. Regelmäßig belegen sie im Ranking der beliebtesten Berufe einen vorderen Rang, werden nur getoppt von Feuerwehrleuten, Ärzten, Kranken- und Altenpflegern. Sie lassen Richter, Lehrer, Unternehmer oder Politiker hinter sich (vgl. Forsa-Umfrage 2019).

Das Hin und Her in der Haltung zur Polizei gibt insofern Rätsel auf: Irgendwie schon angesehen und als nötig erachtet, aber häufig lieber nicht gesehen oder erlebt, es sei denn, man braucht konkrete Hilfe in einer Gefahren- oder Notsituation.

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