Medizin und Ethik des Alleinseins: Einsamkeit ist keine Krankheit


Einsamkeit kann uns von wichtigen Lebensquellen abschneiden. Es gibt aber auch eine schöpferische Seite des Alleinseins. Wie können wir aus Einsamkeit Kraft schöpfen und zugleich verhindern, dass Mitmenschen ungewollt einsam werden?

Raphael Rauh, Jakob Simmank im Gespräch mit Simone Miller | Deutschlandfunk Kultur

Ganz bei sich oder von allen verlassen? Einsamkeit ist ambivalent. (Getty Images / Digital Vision / Justin Paget)

Als „soziale Epidemie“ wird Einsamkeit inzwischen oft bezeichnet – gesundheitsschädlicher als starkes Übergewicht oder Rauchen. Großbritannien hat deshalb sogar das Amt eines „Einsamkeitsbeauftragten“ geschaffen. Der Berliner Wissenschaftsjournalist und Mediziner Jakob Simmank beobachtet diese Tendenz allerdings mit großer Skepsis. Er hält es für den falschen Ansatz, Einsamkeit zu einer Krankheit zu erklären und am liebsten ganz beseitigen zu wollen. 

Ein vielschichtiges Gefühl

Einsamkeit sei zunächst ein Gefühl, betont Simmank, und zwar eines von großer Vielschichtigkeit. So könne das subjektive Erleben von Einsamkeit schmerzhaft und belastend sein, aber gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung nehmen. In seinem Essay „Einsamkeit. Warum wir aus einem Gefühl keine Krankheit machen sollten“ plädiert Simmank deshalb für eine klare Unterscheidung zwischen dieser subjektiven Ebene und einer sozialen Dimension von Einsamkeit, für die konkrete Rahmenbedingen ausfindig gemacht und durch Politik und Gesellschaft auch verändert werden könnten.

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