„Verbrechen in einer unglaublichen Dimension“ – verschwiegene und ungeahndete Vergewaltigungen im Krieg


Im Kampf gegen Vergewaltigung als Kriegswaffe hilft nach Ansicht von Christina Lamb nur die häufigere Berufung von Frauen bei der internationalen Strafverfolgung.

Deutschlandfunk-Nachrichten

Die britische Journalistin Christina Lamb (imago images / Hindustan Times / Sanjeev Verma)

Viele Richter und Staatsanwälte nähmen diese Fälle nicht ernst, sagte die renommierte Kriegsreporterin im Deutschlandfunk Kultur. Als Beispiel verwies sie auf die Verfahren gegen IS-Terroristen. Ein Richter habe auf ihre Fragen nach den vergewaltigten Frauen gelacht und gesagt: „Wissen Sie, diese Leute haben andere Menschen getötet, warum soll ich mich denn mit Vergewaltigungen befassen?“ Für diese Männer sei das Thema einfach nur ein Nebenschauplatz. Dabei sagten so viele verfolgte Jesidinnen, die von IS-Kämpfern versklavt worden waren, dass sie viel lieber gestorben wären, als zu erleben, was ihnen passiert sei. Bei den wenigen rechtlichen Erfolgen hätten in allen Fällen Frauen auf dem Richterstuhl gesessen. Das könne kein Zufall sein.

In den vergangenen Jahren ist es nach Lambs Aussagen kaum gelungen, die systematische sexualisierte Gewalt gegen Frauen strafrechtlich zu ahnen – weder am internationalen Strafgerichtshof noch anderswo. Dabei geschehen diese Verbrechen „in einer unglaubliche Dimension“, führte sie aus. Bei ihren Recherchen habe man ihr die schlimmsten Geschichten erzählt, die sie je zu hören bekommen habe, betonte die mehrfach ausgezeichnete Journalistin, die nach eigenen Angaben seit 33 Jahren aus Kriegsgebieten in aller Welt berichtet. Manchmal sei es ihr schwergefallen, nicht zu weinen. „Wir müssen etwas tun, damit es aufhört.“

„Frauen wurden an Bananenbäume gebunden und vergewaltigt“

Im Fall der Rohingya in Myanmar hätten praktisch alle Frauen erzählt, dass ihre Häuser verbrannt und ihre Männer getötet worden seien. Dann habe man sie an Bananenbäume gebunden und oftmals vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt. Mit Blick auf den Krieg gegen den IS im Irak, fügte sie hinzu, man wisse von den Märkten, auf denen jesidische Frauen von einem islamistischen Kämpfer an den nächsten als Sexsklavinnen verkauft worden seien. „Und trotzdem passiert eigentlich nichts. Keiner wird gerichtlich verfolgt oder vor Gericht gestellt.“

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