Amnestie für 25.000 IS-Familienmitglieder


Kurdische Selbstverwaltung will al-Hol-Lager entlasten: Syrische Mütter und Kinder sollen freigelassen werden. Ausländer sollen dagegen bis auf Weiteres bleiben

Thomas Pany | TELEPOLIS

IS-Anhängerinnen im Lager al-Hol. Bild: Anhar/Video YouTube

Wo werden sie hingehen, wer wird sie aufnehmen? Alle 25.000 Insassen des Lagers al-Hol, die eine syrische Staatsbürgerschaft haben, sollen entlassen werden, wie am gestrigen Sonntag von Elham Ahmed angekündigt wurde.

Gremien der kurdischen Selbstverwaltung müssten diese Entscheidung noch bestätigen, so die Vorsitzende des Exekutiv-Komitees des SDC, dem politischen Rat der SDF/Demokratische Kräfte. Sie sprach von „syrischen Müttern und Kindern“, die das Lager verlassen sollen. Insgesamt sollen derzeit 68.000 Personen im Lager al-Hol leben, zwei Drittel davon sind Kinder.

„Schwere Bürde“

Das al-Hol-Lager sei eine schwere Bürde für die Autonome Selbstverwaltung im Nordosten Syriens (Rojava, auch AANEES), so Elham Ahmed. Die Entlassung der 25.000 syrischen Staatsangehörigen mittels einer „Generalamnestie“, über die der legale Rat innerhalb des SDC noch zu entscheiden habe, würde großen Druck von dem Lager nehmen und Forderungen lokaler arabischer Gemeinschaften erfüllen.

Die Selbstverwaltung sei nicht dazu verpflichtet, exorbitante Summen zu zahlen, „um diese Leute mit Nahrung und anderen Dingen zu versorgen und davon abgesehen mit täglichen Problemen konfrontiert zu werden wie Hinrichtungen, Vergewaltigungen usw.“ Einzig die ausländischen Staatsangehörigen (siehe: Die Kinder des IS), mit denen anders verfahren würde, bleiben noch im Lager. Die Entscheidung über die Entlassung und das weitere Verfahren werde dann vom Generalrat des SCD getroffen, heißt es in einem schriftlichen Protokoll der Ankündigung Elham Ahmeds.

Sie machte sie auf einem mehrtägigen Treffen in Rakka, an dem sich die kurdische Selbstverwaltung der Kritik stellte. Anwesend waren arabische Stammesführer aus dem Osten Syriens. Sie werden, wie schon zuvor, einen Teil der Mütter und Kinder aufnehmen. In der Vergangenheit nahmen Stämme und Gemeinschaften in Deir-ez-Zor und Rakka angeblich bereits 4.000 Lagerinsassen auf, geknüpft an das Wort der Stammesführer, wonach sie garantieren, dass sich die Rückkehrer nicht erneut mit dem IS einlassen. Wie sehr sie das garantieren können, steht freilich auf einem anderen Blatt.

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