Frankreich behält Neukaledonien – vorerst


Auch bei der zweiten von insgesamt drei möglichen Volksabstimmungen votierte eine Mehrheit für einen Verbleib – aber sie fiel deutlich knapper aus als bei der ersten

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Anteil der Kanaken an der Bevölkerung in den Provinzen Neukaledoniens. Weiß: unter zehn Prozent. Grün: zehn bis 30 Prozent. Apricot: 30 bis 50 Prozent. Mauve: 50 bis 70 Prozent. Lila: 70 bis 90 Prozent. Blau: 90 bis hundert Prozent. Karte: Cédric Favre. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Pariser Ministerium für die französischen Überseegebiete hat heute Nacht das Ergebnis der Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit Neukaledoniens bekannt gegeben. Danach stimmte bei 85,64 Prozent Beteiligung eine Mehrheit von 53,26 Prozent der Teilnehmer auf den Pazifikinseln für den Status Quo als „Collectivité“ gemäß der Artikel 76 und 77 der französischen Verfassung. Die Wähler, die einen neuen unabhängigen Staat namens „Kanaky“ wollten, waren mit 46,74 Prozent in der Minderheit.

Macron und Le Pen einer Meinung

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron lobte das sich abzeichnende Ergebnis bereits vor der offiziellen Bekanntgabe als „Zeichen des Vertrauens in die französische Republik“ und meinte, man solle „das Neukaledonien der Zukunft gemeinsam schaffen“. Ganz ähnlich äußerte sich Oppositionsführerin Marine Le Pen.

Vor zwei Jahren hatten die Bürger Neukaledoniens noch mit einer größeren Mehrheit von 56,67 für einen Verbleib bei Frankreich gestimmt. Die Wahlbeteiligung war damals mit 81,01 deutlich geringer. Nun ist dem Nouméa-Abkommen von 1989 nach in zwei Jahren noch ein drittes und letztes Referendum erlaubt, wenn das Parlament der Inseln dafür stimmt: In diesem Parlament, dem Congrès de la Nouvelle-Calédonie, haben aktuell die Befürworter der Unabhängigkeit mit 26 Abgeordneten eine knappe relative Mehrheit vor den Verfechtern des Status Quo mit 25. Den Ausschlag geben die in dieser Frage nicht festgelegten Vertreter der von anderen Pazifikinseln zugewanderten Walliser und Futuner mit ihren drei Abgeordneten.

Ethnische Wahlen

Wahlen in Neukaledonien sind sehr stark ethnische Wahlen: Die stärkste Basis der Parteien, die für einen Verbleib bei Frankreich eintreten, sind Nachkommen der Franzosen, die seit der Inbesitznahme am 24. September 1853 einwanderten und sich als Europäer fühlen. Bei der letzten Volkszählung lag ihr Anteil bei 27,2 Prozent der Bevölkerung. Sie konzentrieren sich vor allem auf den Südosten der Hauptinsel.

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