Das Auswärtige Amt ist ungeeignet für die Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste (ca. 1907)

Prüfstein ist und bleibt der Umgang mit dem Völkermord an Herero und Nama. Doch der kommt bei einer Kolonialismus-Tagung des Amtes nicht vor. Ein Gastbeitrag.

Jürgen Zimmerer | DER TAGESSPIEGEL

Vertreter der afrikanischen Volksgruppen Herero und Nama klagten vergeblich in New York gegen die Bundesrepublik (Hier Archivbild…Foto:Johannes Schmitt-Tegge/dpa

Seit fünf Jahren verhandelt Deutschland mit Namibia über den kolonialen Völkermord, der im damaligen Deutsch-Südwestafrika von kaiserlichen Truppen verübt wurde. Seit zwei Jahren ist die Aufarbeitung des Kolonialismus deutsches Regierungsziel: Der Genozid an den Herero und Nama ist der Lackmustest für dessen Ernsthaftigkeit.

 Wie kann es da eigentlich sein, dass in der ersten Tagung, die unter der Mitwirkung des Auswärtigen Amtes zum deutschen Kolonialismus stattfindet, Namibia keine Rolle spielt? Wie kann es sein, dass Staatsministerin Michelle Müntefering am Mittwoch mit „Colonialism as Shared History“ eine Tagung eröffnet, in der der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts nicht vorkommt, zumindest soweit dies dem Programm zu entnehmen ist?

Eine Tagung über Kolonialismus, mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, ohne eine einzige Referentin aus Namibia, ohne ein Panel zu Deutsch-Südwestafrika, ohne einen Vortrag zum ersten deutschen Völkermord, ist ein Rückfall in eine Zeit, als bei Veranstaltungen mit staatlicher Förderung, insbesondere der des Auswärtigen Amtes, der Begriff „Genozid“ nicht verwendet werden durfte.

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