Wie ein Excel-Fehler 16 000 britische Corona-Fälle verschwinden ließ


Weil eine Behörde ein veraltetes Microsoft-Dateiformat für ihre Corona-Zahlen verwendete, erfuhren wohl Tausende Briten zu spät von ihren möglichen Risikokontakten.

Max Muth | Süddeutsche Zeitung

Mehr als 42 000 Menschen sind in Großbritannien an Covid-19 gestorben, mehr als in jedem anderen europäischen Staat. (Foto: PAUL ELLIS/AFP)

In den britischen Covid-19-Statistiken sind am Wochenende überraschend Tausende bislang ungezählte Covid-19 Fälle aufgetaucht. Der Interimschef der britischen Gesundheitsbehörde (PHE) Michael Brodie machte dafür in einem Statement vom Sonntag einen nicht näher spezifizierten „technischen Fehler“ verantwortlich. Das Problem habe dazu geführt, dass 15 841 positiv getestete Fälle nicht in der Corona-Fallübersicht aufgetaucht seien. Die meisten stammten demnach aus der Zeit vom 25. September bis zum 2. Oktober. Die fehlenden Fälle waren auch nicht an die Stellen weitergegeben worden, die mögliche Kontaktpersonen warnen sollen.

Die BBC und der Guardian haben nun herausgefunden, worin der „Fehler“ bestand. Demnach hätten die Beamten der Behörde für ihre Tabellen Microsofts Bürosoftware Excel verwendet. Jeden Tag seien Ergebnisse aus den Covid-19-Testlabors automatisch in eine Tabelle eingelaufen, von der aus das die Daten dann an die Corona-Statistiker und die Nachverfolgungs-Teams weitergereicht wurden. Das Problem: Microsofts notorisch nervenraubendes Programm ist für sehr große und ständig wachsende Datenmengen nicht ausgelegt.

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