Friedensnobelpreis: Über den Preisträger kann man sich wundern


Das Welternährungsprogramm sichert vielen Menschen in Not das Überleben. Doch die Arbeit der Organisation löst nicht nur Probleme, sie schafft auch viele neue.

Arne Perras | Süddeutsche Zeitung

Viel Lob gab es für die Vergabe des Friedensnobelpreises an das Welternährungsprogramm (WFP). Und doch ist es eine ambivalente Entscheidung. Natürlich sind die UN-Helfer eine äußerst professionelle Truppe, natürlich ist es häufig alleine das WFP, das ausreichend Mittel und Fähigkeiten hat, um in Notlagen schnell und sicher genügend Essen heranzuschaffen, damit Kriegsvertriebene oder Opfer von Katastrophen trotz größter Not überleben. Die Bedeutung dieser Arbeit ist unbestritten, globale Nothilfe beweist Mitmenschlichkeit, sie ist Ausweis einer humanen Gesinnung, die globale Anerkennung verdient.

Nur sollte man das WFP nicht verklären. Denn seine Arbeit löst nicht nur Probleme, sie schafft viele neue. Zum Beispiel dort, wo Nothilfe jahrelang geleistet wird und niemand mehr das Bedürfnis verspürt, daran etwas zu ändern, weil sich alle bestens eingerichtet haben mit dem WFP. So entstehen keine funktionierenden Märkte, so baut man keine Ökonomie nach Kriegen und Katastrophen auf. In solchen Verhältnissen musste sich das WFP schon öfters fragen lassen, ob sein Einsatz eigentlich noch nützt oder schon schadet.

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