Politische Gewalt in Michigan: „Ein Aufruf, in die Schlacht zu ziehen“


Das FBI vereitelt Pläne von Extremisten, die demokratische Gouverneurin von Michigan zu entführen. Wirklich wundern kann sich darüber kaum jemand. Die Gewalt geht von ganz oben aus.

Alan Cassidy | Süddeutsche Zeitung

Es ist nicht so, dass es keine Warnzeichen gegeben hätte, im Gegenteil. Den ganzen Frühling über war Gretchen Whitmer schon Zielscheibe von Kritik gewesen. Kritik, die sich an den scharfen Corona-Vorschriften entzündete, die sie als Gouverneurin von Michigan verhängt hatte. Da waren die Demonstranten mit den Schildern, auf denen „Stoppt die Tyrannei“ stand. Da waren die bewaffneten Männer in Kampfmontur, die in das Landesparlament eindrangen. Da war Donald Trump, der die Proteste nach Kräften befeuerte. „BEFREIT MICHIGAN!“, twitterte der US-Präsident. Schon damals gab es Stimmen, die fragten, wohin das führen werde.

Eine Antwort darauf erhielten sie am Donnerstag. Als die Bundespolizei FBI verkündete, dass sie eine geplante Entführung von Gretchen Whitmer vereitelt habe, waren zwar viele entsetzt – aber nicht unbedingt überrascht. Das sagt schon viel aus über die Stimmung, die in den USA wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl herrscht. Über die Angst vor politisch motivierter Gewalt, die in der aufgeheizten Atmosphäre dieses Jahres größer wird. Und über die Angst vor bewaffneten Gruppen, die bis zum Äußersten gehen. „Das ist ein kranker Anschlagsversuch, wie wir ihn vom Islamischen Staat kennen, aber jetzt haben wir das Problem bei uns zu Hause“, sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden.

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