Die Schottin, die Boris Johnson vor sich hertreibt

Sturgeon and British Prime Minister Boris Johnson in Edinburgh on 29 July 2019. Image: Twitter @10DowningStreet

Nicola Sturgeon verordnet den Schotten mit dem Alkoholverbot in Pubs gerade einen Kulturbruch: kein Ale mehr, kein Lager, kein Whisky. Mit ihrer Corona-Politik hat die Regierungschefin jedoch mehr als nur das Wohl des Landes im Blick.

Alexander Mühlauer | Süddeutsche Zeitung

Man tritt den meisten Schotten sicher nicht zu nahe, wenn man behauptet, dass ihnen ein Kulturbruch bevorsteht. Von diesem Wochenende an dürfen Pubs keinen Alkohol mehr ausschenken. Kein Ale, kein Lager, kein Whisky, nichts. Das Verbot gilt zunächst für 16 Tage. In den Regionen, die am schlimmsten vom Coronavirus betroffenen sind, müssen Gaststätten sogar ganz schließen. Für all jene Schotten, die sich als Teil der legendären Pub-Kultur ihres Landes wähnen, ist das ein Dekret, das ziemlich wehtut.

Verantwortlich dafür ist Nicola Sturgeon, 50 Jahre alt, Vorsitzende der Scottish National Party (SNP) und seit 2014 Regierungschefin in Schottland. Als First Minister hat sie mit ihrer Corona-Politik nicht nur das Wohl des Landes im Blick, sondern auch ein klares politisches Ziel: Sie will schneller und entschlossener handeln als Boris Johnson, der für die Corona-Regeln in England zuständig ist.

weiterlesen