1. FC Nürnberg: Wenn Ultras um einen Neonazi trauern


Ein Teil der Nürnberger Ultras gedenkt einem organisierten Nazi – und löst eine heftige Debatte aus. Kann die Kurve wirklich „unpolitisch“ sein?

Christoph Ruf | Süddeutsche Zeitung

Die 2:3-Niederlage gegen Darmstadt bestimmte in den Nürnberger Fan-Foren nur kurz die Kommentarspalten. Die vehementeren Diskussionen wurden bald darauf wieder darüber geführt, was einen Teil der eigenen Ultraszene bewogen haben könnte, an der Trauerfeier für einen gut vernetzten bayerischen Neonazi teilzunehmen. Dass das bei den meisten Ultras, die ein Gedenk-Transparent für den an einem Herzinfarkt gestorbenen „Kecki“ angefertigt hatten, nicht aus Sympathie für rechtes Gedankengut passierte, ist den meisten klar. Umso vehementer hinterfragen viele Fans, wie man öffentlich um einen Menschen trauern könne, der fester Bestandteil der rechten Szene war.

„Nicht in unserem Namen“, ist der Titel eines Aufrufes des Fanklubs „Clubberer 04 Berlin“: „K. war nicht ,etwas rechts‘, er war ein hochrangiger Nazikader!“, heißt es dort: „Dies macht es uns unmöglich, zwischen dem Menschen, dem Clubfan und seinem politischen Wirken zu trennen.“ Von einer „riesigen Portion Naivität, Unüberlegtheit und falsch verstandener Loyalität“ spricht bei Nordbayern.de ein Forist, der den Ultras ansonsten positiv gegenübersteht: „Das, was jetzt aber passiert ist, ist unentschuldbar. Bei organisierten Nazis hört die unpolitische Kurve auf, da muss ein Trennstrich her.“

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