Untote Hirne


„Zombie Child“: Kritik der „Diversität“ durch Diversität. Gibt es Zombis?

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Ich schlage Ihnen eine Geschichte vor, die diskontinuierlich, sprunghaft ist, die auch eine unterirdische Geschichte der Konzeption der Freiheit des 19 Jahrhunderts wäre. Die immer wiederkehren würde und manchmal in Erfahrungen münden würde. In Erfahrung von Freiheit.

Dialogzeile aus „Zombi Child“

Gibt es Zombis? Diese Frage darf man unentschieden beantworten. Denn jenseits der bekannten Mythologie der Rückkehr der Toten und der Untoten gibt es auch Geschichten wie jene des Clairvius Narcissus (1922-1962/1994), der 1962 möglicherweise nicht starb, sondern in Trancezustand versetzt, scheintot begraben und anschließend zur Sklavenarbeit genötigt wurde, bevor er um 1980 von den Toten wiederkehrte. Es gibt Indizien für rationale Erklärungen des Zombi-Zustands.

„Hört, Weiße Welt!“

Ein paar Mädchen sitzen im Kreis im Kellerversteck ihres Internats. Die Neue muss, um in den Girls-Club aufgenommen zu werden, nachts beim Kerzenschein als Initiationsritual etwas machen, was „alle rührt“. Sie sagt das Gedicht „Cap’tain Zombi“ des haitianischen Dichters René Depestre auf, einem Gegner der „Negritude“-Bewegung, über die Leiden der Schwarzen, mit dem unvergesslichen Refrain: „Ecoutez monde blanc!“ – „Hört, Weiße Welt!“

Écoutez monde blanc / Les salves de nos morts
Écoutez ma voix de zombi / En l’honneur de nos morts
Écoutez monde blanc / Mon typhon de bêtes fauves
Mon sang déchirant ma tristesse / Sur tous les chemins du monde
Écoutez monde blanc!

René Depestre: „Cap’tain Zombi“

Der Franzose Bertrand Bonello, einer der spannendsten Regisseure der Gegenwart, verknüpft zwei Handlungsstränge auf gleich mehreren Ebenen. Die Hauptgeschichte spielt in der Gegenwart und erzählt von Fanny, Schülerin im Internat der Kinder der Ehrenlegion in Saint Denis („Maison d’éducation de la Légion d’honneur“), einer der edelsten Eliteschulen Frankreichs.

Dies ist demnach auch ein Internatsmovie, aber weitaus magischer als „Harry Potter“. Fanny ist die Hauptfigur, ein verträumtes, phantasielustiges Mädchen mit uneindeutiger, noch suchender sexueller Orientierung. Sie, Teil einer „Girls Group“, wie sie in solchen Filmen eben vorkommen, leidet schwer an Liebeskummer, ihrem abwesenden Geliebten Paul schreibt sie flammende Liebesbriefe, die so toll klingen, wie solche Briefe nur auf Französisch klingen.

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