Bund Religiöser Sozialisten: Kirche manchmal zu liberal „Wir sind etwas radikaler“


Das Christentum könne eine Wurzel sozialdemokratischen Handelns werden, nicht mehr, sagte der Sozialdemokrat und Mit-Gründungsvater der Bundesrepublik, Kurt Schumacher. Wie sieht die Schnittmenge zwischen Christ und Sozialist heute aus?

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DOMRADIO.DE: Hat sich die Schnittmenge mit Kurt Schumacher verändert?

Andreas Herr (Bundessekretär vom Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.): Die Schnittmenge mit Kurt Schumacher hat sich nicht verändert. Denn Kurt Schumacher war, wie viele Sozialdemokraten, der Kirche eher fern. Leider. Aber es gab sehr viele, auch Politiker im sozialdemokratischen Lager, die der Kirche nicht fern waren. Wenn wir jetzt zum Beispiel an Erhard Eppler denken, der übrigens auch Mitglied des Bundes war, dann ist das ein etwas besseres Beispiel für unsere Arbeit.

DOMRADIO.DE: Der Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands hat sich ja im Jahr 1926 gegründet. Wie muss man sich diesen Bund heute vorstellen? Wer macht da mit?

Herr: Heute machen Theologen, Laien aus vielen Lagern der beiden großen Kirchen mit. Aber wir haben auch Mitglieder aus der alt-katholischen Kirche wie auch sogar ein Mitglied aus der russisch-orthodoxen Kirche.

DOMRADIO.DE: Was ist denn der ganz besondere Blick, mit dem Sie als religiöse Sozialisten auf die Welt schauen? Was ist da bei Ihnen anders?

Herr: Für uns ist die Urchristlichkeit, die Lehre von Jesus, nicht zu Ende, indem wir fromm sind, sondern es ist einfach auch eine tätige Sache. Und tätig heißt auch durchaus politisch verstanden. Und so ist für uns Sozialismus und Christentum eigentlich so vereinbar wie es einst Adolf Grimme ausgedrückt hat: „Ein Sozialist kann Christ sein, aber ein Christ muss Sozialist sein“.

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