Pole bekommt Asyl in Norwegen: Flucht nach Oslo


Der polnische Regisseur Rafal Gawel zeigt rechtsradikale Straftaten an. Aus Furcht vor Verfolgung in Polen ist er nach Oslo geflohen.

Gabriele Lesser | taz

Foto: Czarek Sokolowski/ap

Rafal Gawel wird in Polen verfolgt – u.a. weil er rechtsradikale Straftaten bei der Polizei anzeigte

Es ist ein Präzedenzfall, der bald Schule machen könnte: Rafal Gawel ist der erste Pole seit 30 Jahren, also seit der Wende 1989, dem politisches Asyl gewährt wurde. Noch vor drei Jahren hatte der Regisseur aus der ostpolnischen Großstadt Białystok gehofft, in Warschau am wiedergegründeten „Theater der drei Flüsse“ einen Neuanfang wagen zu können. Im nachtschwarzen Kinosaal erzählte der Mittfünfziger, wie sein Leben durch urplötzliche Kontrollen staatlicher Behörden und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Białystok-Nord aus den Fugen geriet. Nur eine Stehlampe warf ein bisschen Licht auf den Mann mit dem nach hinten gebundenen langen Haarschopf.

Doch die Białystoker Staatsanwaltschaft eröffnete nicht einfach das Verfahren gegen ihn, sondern ließ auch im ehemaligen Warschauer Kino Tecza die Büroräume durchsuchen und wichtige Dokumente konfiszieren. Ein Neuanfang wurde unmöglich. Norwegen gewährte ihm nun politisches Asyl. Gawel kann zunächst ein Jahr lang mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter bleiben – mit der Option auf Verlängerung und anschließender Einbürgerung.

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