Angst ist kein guter Ratgeber, Selbstverantwortung aber schon

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Die Gesellschaft hat es vermasselt – sie muss einen weiteren Anstieg der Infektionen verhindern. Weder Staat noch Polizei können es richten. Ein Kommentar.

Christiane Peitz | DER TAGESSPIEGEL

Die Kanzlerin spricht von „Unheil“, ein altmodisches Wort. Es klingt nach Verhängnis, nach Naturkatastrophe. Aber die steigenden Infektionszahlen sind vor allem menschengemacht. Und hinter der drastischen Vokabel steckt wohl eher Merkels Sorge um das Gemeinwohl. Sie fürchtet, noch die schärfsten Appelle und flächendeckendsten Sperrstunden könnten nicht wirken.

Läuft es in Italien besser, weil der Bergamo-Schock den Italienern in den Knochen steckt? Urlaubseindrücke sprechen dafür, aber dort steigen die Zahlen ebenfalls wieder. Auch Deutschland hatte der Corona-Schock im Frühjahr diszipliniert. So gut wie alle hielten sich an die Regeln, kaum jemand murrte über den Lockdown, Alu- Hüte kamen erst später in Mode.

Kehrt die Angst nun zurück? Wäre das gut, gerade in Berlin? Viele hocken in den Kneipen ja wieder eng aufeinander, feiern Party und Familienfeste. Aber die Angst ist schon deshalb kein guter Ratgeber, weil sie sich bei anhaltenden Krisen irgendwann legt. Lässigkeit macht sich breit, Nachlässigkeit. Das sind nur die „Anderen“?

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