Sozialethiker über Religion und Ökologie: Steht der Papst hinter „Fridays for Future“?


„Wir haben den Papst in unserer Glaubensgemeinschaft“, heißt es auf dem Twitterkanal von Fridays for Future. Aber ist Umweltschutz eine Glaubensgemeinschaft? Und inwiefern stimmen die Ziele der Bewegung mit denen von Papst Franziskus überein?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Gibt es inhaltliche Übereinstimmungen zwischen Fridays for Future und Papst Franziskus?

Prof. Dr. Markus Vogt (Professor für Christliche Sozialethik an der Universität München): Ich denke, das Grundanliegen beider ist es, die Schöpfung zu bewahren. Für weltweite Gerechtigkeit und besonders zur Unterstützung der Armen, die am meisten unter dem Klimawandel leiden. Es geht auch um Verantwortung für künftige Generationen und Verantwortung für die Schöpfung. Die Natur ist eine große Schnittmenge an gemeinsamen Anliegen.

DOMRADIO.DE: Auf dem Twitterkanal von Fridays for Future heißt es: „Wir haben den Papst in unserer Glaubensgemeinschaft“. Ist Klimaschutz eine Religion?

Vogt: Zu diesem Zitat sollte man den Hintergrund kennen. Das ist eine ironische Antwort auf ein Interview von Manfred Grund, das er im Rahmen des ZDF-Formats „Berlin direkt“ gegeben hat und in dem er Fridays for Future als Glaubensgemeinschaft bezeichnet hat. Er meint damit, dass sie Fakten und Wissenschaft nicht zugänglich seien, sondern eine ideologisch verblendete Gemeinschaft, die sich die Weltrettung zum Glaubensbekenntnis gemacht hat.

Aber zugleich wird in dieser ironischen Antwort auf die unzureichenden Bemühungen der CDU/CSU angespielt. Insofern ist das durchaus mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Im engeren Sinne bezeichnet Fridays for Future sich natürlich nicht als Glaubensgemeinschaft.

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