Trumpworld: kaputt


Als „N-Wort“ wird, vermutlich in dem Bemühen, dieses aus der Welt zu schaffen, in den USA eine rassistische Beleidigung verklausuliert, die gemeinhin als „Nigger“ bekannt ist. Analog ist, um die Sache zu bezeichnen, ohne sie beim Namen zu nennen, oft von einem „John“ die Rede, wenn ein Raum, den man im Deutschen als „stilles Örtchen“ kennt, gemeint ist.

Thomas Schuster | TELEPOLIS

Bild: TP

Donald Trump in Johnstown, Pennsylvania..

Hillary Clintons Versuch, in einer Wahlkampfrede im September 2016 ein solches Codewort zu prägen, als sie von den „deplorables“ sprach, den „Erbärmlichen“, war wenig Glück beschieden. Die Arroganz, die in dieser rhetorischen Fehlbildung zutage trat, trug wesentlich zu dem tiefen Fall von Frau Clinton bei. Sie wäre gut damit beraten gewesen, die gezielte Beleidigung so weit zu verklausulieren, dass sich jeder darunter vorstellen konnte, was er wollte.

Doch die Provokation der Möchtegernpräsidentin war eindeutig: Sie meinte diejenigen, die durch eher unfeine soziale Umgangsformen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, Fremden- und Islamfeindlichkeit auffallen und ihrer Schätzung zufolge etwa die Hälfte der Unterstützer ihres damaligen Gegners ausmachten. Für diese Leute hätte es keiner begrifflichen Neuschöpfung bedurft, weil sie schon lange, hinter vorgehaltener Hand, als „white trash“ firmieren.

Gut möglich, dass Frau Clinton, deren sachliche Analyse gar nicht so falsch war, von der man jedoch zum Glück in letzter Zeit dennoch nicht mehr viel gehört hat, der von ihr verunglimpften Unterschicht eine Dame hinzugerechnet hätte, die in diesen Tagen einen unrühmlichen medialen Kurzauftritt hatte. Die nicht mehr ganz junge Person mit ungehobelten Manieren, warf der Gattin des demokratischen Vizegouverneurs von Pennsylvania am letzten Sonntag das „N-Wort“ an den Kopf.

Der nicht sehr lange Vortrag soll sich auf dem Gelände eines Supermarkts der Kette Aldi in einem Vorort von Pittsburgh in Pennsylvania zugetragen haben. Gisele Barreto Fetterman, die in Brasilien geborene und in den USA ohne Aufenthaltstitel aufgewachsene Vizegouverneursgattin, war ausnahmsweise ohne Leibwächter beim Einkaufen. Dort wurde sie Ziel eines verbalen Angriffs, der auf einem Video auch für im Lippenlesen Ungeübte erkennbar ist als: „You are a Nigger“.

Eifrige Exegeten von „Fake News“ könnten einwenden, dass die unschönen Worte gar nicht als Beleidigung gemeint waren. So tauchen sie zum Beispiel in einer Prosasammlung Arthur Rimbauds mit dem Titel „Eine Zeit in der Hölle“ auf. Aber man liegt wohl nicht falsch, wenn man aus dem Kontext ableitet, dass der Dame auf dem Aldi-Parkplatz nicht an einer poetischen Darbietung gelegen war.

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