Möglichst neutraler Journalismus kommt an seine Grenzen

Image: Twitter.

Denn Ausgewogenheit nutzt nur den kruden Ideen des Präsidenten. Er sieht die Medien als Opposition. Da hilft nur transparente Parteilichkeit. Ein Gastbeitrag.

Jan-Werner Müller | DER TAGESSPIEGEL

Was kann Donald Trump eigentlich? Offenbar nicht viel mit Immobilien. Laut Recherchen der „New York Times“ brachte er das väterliche Erbe mit Fehlinvestitionen durch. Richtig Geld verdiente er hingegen mit seiner Reality-TV-Show, wobei dies jedoch nach weiteren gescheiterten Projekten bald auch wieder weg war, und der Präsident heute wohl auf rund 400 Millionen Dollar Schulden sitzt.

Seine Kernkompetenz besteht also darin, die Illusion eines erfolgreichen Unternehmers zu verkaufen, nicht zuletzt, weil er meisterlich Medien manipuliert. Seine Präsidentschaft ist nicht nur ein Stresstest für die politischen Institutionen, sondern auch für Journalisten. Viele von ihnen bereuten ihre Rolle im Wahlkampf 2016 – und laufen doch auch dieses Jahr wieder in von Trump gestellte Fallen.

In den 1980er Jahren rief Trump regelmäßig unter Pseudonym bei der Klatschpresse an, um für ihn schmeichelhafte Stories zu lancieren. Doch jeder wusste, dass es sich bei dem Mann, der sich als PR-Agent John Barron ausgab, um Trump höchstpersönlich handelte. Journalisten machten das Spiel auch mit, weil sie nicht den direkten Draht zu einem Mann verlieren wollten, der immer für ein paar reißerische Spalten gut war.

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