Als die EKD ein Schuldbekenntnis zur NS-Vergangenheit ablegte


Sie löste nach Bekanntwerden einen Entrüstungssturm aus: Die Stuttgarter Schulderklärung der Protestanten war ein erster Schritt zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit – und öffnete der jungen EKD die Tür in eine ökumenische Zukunft.

Norbert Zonker | katholisch.de

Am 27. Oktober 1945 berichtete der „Kieler Kurier“, die in Schleswig-Holstein am weitesten verbreitete Zeitung der britischen Militärregierung, auf Seite eins über eine Erklärung des neu gebildeten Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Unter der Überschrift „Schuld für endlose Leiden“ hieß es: „Evangelische Kirche bekennt Deutschlands Kriegsschuld. Zum ersten Male haben führende Männer der Deutschen Evangelischen Kirche Deutschlands Kriegsschuld bekannt, von gemeinsamer Schuld für endlose Leiden gesprochen und von dem Mangel an mutigem Widerstand durch die Kirche gegen das NS-Regime.“

Der Bericht löste eine Fülle von wütenden Zuschriften aus – heute würde man von Shitstorm sprechen – zumal die darin hervorgehobene Kernaussage in der eine Woche vorher verfassten Stuttgarter Schulderklärung gar nicht stand. Die Kirche hatte den Text nicht veröffentlicht, schon gar keine einordnende Pressemitteilung dazu, denn die eigentlichen Adressaten waren hochrangige Kirchenvertreter aus Ländern, gegen die Deutschland Krieg geführt hatte.

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