Auf hauchdünnen Flügeln: Insekten ziehen im Herbst Hunderte Kilometer über die Alpen und das Mittelmeer

Apollofalter

Nicht nur Vögel ziehen im Herbst in wärmere Gefilde, sondern auch Insekten: Deren Wanderungen sind ein weltweit auftretendes und nur wenig beachtetes Naturwunder. Einige Arten erbringen dabei wichtige Leistungen für die Landwirtschaft.

Kurt de Swaaf | Neue Zürcher Zeitung

September in den Westalpen: Die Nächte sind oft schon empfindlich kalt, vor allem in den oberen Etagen. Wenn aber bei Tag die Sonne scheint, läuft das Leben schnell wieder auf Hochtouren. So auch auf dem Col de Bretolet. Der in 1923 Meter Höhe an der Grenze zwischen Frankreich und dem Wallis gelegene Pass ist ein wichtiger Vogelzug-Korridor. Jeden Herbst nutzen Abertausende gefiederte Wanderer den geografisch günstig gelegenen Übergang für ihre Reise in den Süden. Sie sind allerdings nicht die Einzigen: Immer wieder erscheinen im Luftraum über dem Col de Bretolet kleine schwarze Punkte.

Manchmal landet einer auf einer Blüte oder einem Erlenzweig: ein Schmetterling, der mit aufgeklappten Schwingen seine Identität preisgibt. Ein Admiral, zoologisch auf den wohlklingenden Namen Vanessa atalanta getauft. Die Mittagssonne bringt seine rot-weisse Flügelzeichnung zum Leuchten. Das Tier ist vermutlich vor ein, zwei Wochen geschlüpft, doch sein Geburtsort lässt sich kaum erahnen. Er könnte Hunderte Kilometer weiter nördlich liegen.

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