Ein Christ ist stets bereit zu sterben


Verteidiger einer Ersatzfamilie: Der Dokumentarfilm „Goldene Knöpfe“ des Regisseurs Alexej Jewstignejew führt in die Brutstätte der russischen Schlägermilizen.

Kerstin Holm | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bild: Eastwood Agency

Russlands Regimeschützer sollen nicht nachdenken: ein Zögling der Moskauer Scholochow-Kadettenschule bei einem Einsatz

Die Frage, die gerade viele Belarussen beschäftigt, wie es kommt, dass ihre Sonderpolizisten so bereitwillig friedliche Demonstranten verprügeln, treibt auch viele Menschen in Russland um, wo Präsident Putin vor vier Jahren die für ihre Härte berüchtigte Russländische Garde gründete, damit sie sein Regime verteidigt. Für den jungen russischen Filmregisseur Alexej Jewstignejew, der sich selbst als regimekritisch versteht – wie auch den größten Teil seiner Generation – war diese Frage der Grund, warum er noch als Student des Moskauer Filminstituts in der Scholochow-Kadettenschule drehte, wo Gardekämpfer ausgebildet werden. Die Arbeit an der Dokumentation habe ihm geholfen, die Psyche der Ordnungshüter besser zu verstehen, sagt der 22 Jahre alte Jewstignejew am Telefon. Seine Hochschule tat das Material als Ausschuss ab. Doch der zwanzig Minuten lange Film, der daraus entstand und dem Jewstignejew den Titel „Goldene Knöpfe“ gab, war in diesem Jahr schon auf mehreren internationalen Festivals zu sehen und wurde in Krakau und in Nyon in der Schweiz ausgezeichnet.

Jewstignejew und seine Kamerafrau Lisa Popowa konnten vorigen Herbst mehrere Monate in der Schule arbeiten, möglicherweise weil die Leitung die Berufsanfänger nicht für voll nahm, vermutet der Regisseur. Die zwischen zehn und sechzehn Jahre alten Jungen, die aus problematischen Verhältnissen oder aus Familien von Militärs stammen, leben, während sie zu Systemwächtern erzogen werden, in einer Art Kaserneninternat. Die Älteren identifizierten sich mit der Mission und versuchten, Karriere zu machen, hat Jewstignejew beobachtet. Zu Filmhelden machte er daher Kadetten der unteren Jahrgänge, deren Kindergesichtern man ansieht, dass sie den Drill und die Indoktrinierung noch als Drama erleben.

weiterlesen