Wer im November US-Präsident wird, entscheidet auch Gott


Der Glaube ist in der US-Politik und im aktuellen Wahlkampf omnipräsent – trotz offizieller Trennung von Staat und Religion. Woher kommt das? Und wer wählt wen warum?

Nicole Freudiger | SRF

Donald Trump steht vor der St. John’s Church in Washington, die Bibel in der Hand. Den Weg zur Kirche mussten ihm Polizeikräfte unter Einsatz von Tränengas freimachen.

Es ist Frühsommer 2020 – Höhepunkt der «Black Lives Matter»-Proteste. Der Auftritt von Donald Trump war sorgfältig vorbereitet, inszeniert – und voller Symbolik.

Trump und die Bedrohung des Christentums

Zuvor hatte der Präsident die Demonstranten als «professionelle Anarchisten» bezeichnet. Er hatte vom Terror auf den Strassen gesprochen und die Proteste «ein Verbrechen gegen Gott» genannt. Adressatinnen und Adressaten dieser Rede und des Auftritts mit der Bibel waren evangelikale Wählerinnen und Wähler.

«Donald Trump sprach damit all jene an, die das Christentum bedroht sehen», erklärt Jan Rehmann, Gastprofessor für Kritische Theorie und Soziale Analyse in New York. «Bedroht von der modernen Welt, vom Säkularismus, von Bewegungen, die sich gegen den Nationalismus wenden.»

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