Hasswelle: Die Agitation gegen einen Vertreter der Meinungsfreiheit


Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Fall des ermordeten Lehrers legen methodisches Aufhetzen nahe. Beteiligt ist ein dem Geheimdienst bekannter Islamist

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Gewalt und der Hass, die sich im Fall des massakrierten Lehrers in Frankreich zeigen, sind bestürzend. Der leitende Staatsanwalt, Jean-François Ricard, gab gestern auf einer Pressekonferenz vorläufige Ermittlungsergebnisse bekannt.

Sie führen zum einen den Druck und die Angst vor Augen, unter dem die Polizisten standen, die mit dem Täter konfrontiert waren, zum anderen – und dies ist die Hauptsache, die Frankreich noch länger beschäftigen wird -, welche Auswirkung im aufgereizten Klima ein Video haben kann, das allen Indizien nach bewusst agitatorisch aufgeladen wurde, eine weite Verbreitung fand und auf einen Fanatiker traf, der den Behörden bislang nicht als Radikaler aufgefallen war, der zu einer Mordtat bereit sein könnte.

Mit neun Schüssen wurde der 18-jährige Russe, der aus Tschetschenien stammte (mit einer Aufenthaltsgenehmigung bis 2030), von drei Polizisten erschossen, gab Jean-François Ricard gestern bekannt. Man kann sich fragen, ob denn nicht gezielte Schüsse genügt hätten, um den Mann außer Gefecht zu setzen, mussten es tödliche sein und gleich neun Schüsse?

Die Mitteilung des Staatsanwaltes legt nahe, dass die Polizisten aus Notwehr handelten, aber es spielt sicher auch die längere Vorgeschichte der vielen Terror-Attentate in Frankreich, bei denen Polizisten Opfer wurden, mit hinein und natürlich, dass dieser Mann einige Minuten zuvor einen Lehrer auf grausame Art mit seinem Messer umgebracht hatte und also gefährlich war.

Dazu kommt, dass der Mann neben einem Messer auch eine Air-Gun bei sich hatte, diese Art der Waffen sind einer scharfen Waffe so ähnlich, dass dies in einer Extremsituation, die rasend schnell abläuft, kaum gefasst und ruhig einzuschätzen ist – vor allem wenn der Mann mit dieser Waffen in der Hand „Allahu Akbar“ rufend auf einen zuläuft. Auch wurden die französischen Polizisten aufgrund der Terror-Vorgeschichten darin geschult, kein unnötiges Risiko einzugehen und schnell zu schießen.

Die Videos

Der 18-Jährige nahm sich zuvor viel Zeit, um seinen Mordplan auszuführen. Er brauchte von seinem 100 Kilometer entfernten Wohnort wahrscheinlich über eine Stunde, um zur Schule zu fahren, in der der Lehrer arbeitete. Dort sprach er nach Auskunft des Staatsanwalts Schüler vor dem Schulgebäude auf den Lehrer an, um ihn erkennen zu können, mit dem Ziel, wie sich dann herausstellte, ihn zu töten.

Die Frage ist, wie der im Viertel Madeleine von Evreux (Eure) lebende Mann zuvor vom Lehrer im Provinzort Conflans-Saint-Honorine erfahren hat? Vieles spricht dafür, dass Videos eine Rolle spielten, die über Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, Snapchat verbreitet wurden. Die Mutter eines Schülers der Unterrichtsklasse erwähnt, dass ihr eins der Videos aus Algerien zugeschickt wurde.

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