Dänemark und der MeToo-Tsunami


Der Rücktritt von Kopenhagens Oberbürgermeister Frank Jensen ist der prominenteste Fall in Dänemarks MeToo-Welle. Weitere Enthüllungen folgen, gleichzeitig regt sich auch Kritik

Jens Mattern | TELEPOLIS

Erst wollte er dazu beitragen die „Kultur zu ändern“, dann bekannte er: „Ich bin ein Täter.“ Frank Jensen, einer der prominentesten Sozialdemokraten Dänemarks, ist Anfang dieser Woche von seinem Amt als Oberbürgermeister der Hauptstadt zurück getreten, auch legte er den stellvertretenden Vorsitz seiner Partei nieder.

Ihm werden über einen langen Zeitraum mehrfache sexuelle Belästigungen vorgeworfen. Der 59-Jährige soll eine jungen Parteigenossin auf die Toilette gefolgt sein, Frauen gegrabscht und sexistisch beleidigt haben.

Zwar erhielt er am Sonntag im Rathaus noch das Vertrauen, jedoch keine Unterstützung mehr von Mette Frederiken, der Regierungschefin und Vorsitzenden der Sozialdemokraten. Sie begrüßte die Rücktritts-Entscheidung des Parteikollegen via Facebook.

Die Politikerin steht unter Druck. Denn die zwei jungen Sozialdemokratinnen Maria Gudme und Cecilie Svärke Priess sind zusammen mit der PR-Beraterin Camilla Söe die Initiatorinnen der Veröffentlichungen und verantwortlich für den twitter-hashtag endböandtos: „einer unter uns“. Sie fordern ein „Ende der Serientäter“ und eine neue Politik: „Wir beginnen, die Macht von denen zu übernehmen, die sie jahrelang systematisch verletzt haben.“

Dänemark sei nicht mehr in der MeToo-Welle, sondern in einem Tsunami. Jensen ist kaum der letzte laute Fall: Frederiksen erklärte am Dienstag auf der Fraktionssitzung mit Sorgenmiene, dass noch weitere Vorwürfe innerhalb der Sozialdemokraten an die Öffentlichkeit kommen werden. Und die Chefin der sozialdemokratischen Minderheitsregierung räumte selbstkritisch ein, dass sie bislang zu wenig für die Aufklärung in Sachen sexueller Übergriffe getan habe. Allgemein wird den Sozialdemokraten vorgeworfen, die Ereignisse vertuscht zu haben, Jensen galt als einer der Vorzeigepolitiker mit einer positiven Bilanz seiner 11 Jahre Stadtregierung.

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