Pfarrer gegen Seenotrettung: „Migranten ertrinken lassen“


Ein Nürnberger Pfarrer hält es für vertretbar, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen. Damit steht er in seiner Kirche Gott sei Dank alleine dar.

Stefan Hunglinger | taz

Selten wird ein Beitrag im Korrespondenzblatt des bayrischen Pfarrer*innenvereins Wellen geschlagen haben wie dieser. „Ein Christ kann ertrinken lassen“, steht über dem Text des Nürnberger Pfarrers Matthias Dreher in der Oktoberausgabe des Kirchenblatts, welcher der taz vorliegt. Die Nürnberger Nachrichten hatten zuvor über den Beitrag berichtet.

Drehers These: Es sei für Christ*innen durchaus ethisch vertretbar, Menschen, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben „bewusst“ in Lebensgefahr brächten, nicht zu retten. „Im Zuge der Zwei-Reiche-Lehre, die operative Struktur-Politik dem Staat überlässt“, schreibt der evangelische Gemeindeleiter, „kann ein Christenmensch, soweit er nicht wie der Samariter einen Sterbenden vor sich sieht, Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen.“ Dreher bezieht sich damit auf die Unterscheidung zwischen einer religiösen und einer weltlichen Sphäre in der lutherischen Theologie sowie auf die neutestamentliche Erzählung vom „Barmherzigen Samariter“ – beides Gegenstände kontroverser theologischer Debatte.

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