Plädoyer gegen abstrakten Atheismus: Das Einmaleins der Aufklärung


Nach dem terroristisch motivierten Mord an einem Pariser Lehrer plädiert unser Autor für eine konsequentere Religionskritik – auch von links.

Stephan Grigat | taz

Im Jahr 2020 über Religionskritik zu sprechen ist schwierig, weil man schlecht die Gefechte des Mittelalters wiederaufleben lassen kann. Es stellt sich die Frage, wie Menschen kritisiert werden sollen, die im 21. Jahrhunderts allen Ernstes behaupten, es gebe höhere Wesen, und sich also, ganz freiwillig und ohne Zwang, auf das intellektuelle Niveau von vor ein paar hundert Jahren begeben. Nur zu gerne würde man sich auf den Austausch der besten Propheten-, Jesus- und Messiaswitze beschränken.

Doch die letzten Dekaden haben gezeigt, dass das, was heute unter Religion firmiert, zu ernst ist, als dass man es allein mit den Mitteln der Humorkritik erledigen könnte – auch wenn einige religiöse Dogmen und Vorstellungen tatsächlich erst einmal als schlechter Witz erscheinen. Man denke nur an die Behauptung, Dschihadisten, die sich auf israelischen Gemüsemärkten in die Luft sprengen, würden im Paradies mit ein paar Dutzend Jungfrauen belohnt.

Leider geht es beim dschihadistischen Suicide Bombing und bei den aktuellen islamistischen Anschlägen nicht um eine gedankliche Schrulle, sondern um eine blutige gesellschaftliche Praxis.

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