Putin-Erdogan: Tiefe Kooperationskrise


In den letzten Jahren war man es schon gewohnt, die Präsidenten von Russland und der Türkei auf derselben Seite der Barrikaden zu sehen – meistens gegen die USA und Europa und deren Einfluss in Vorderasien. Entstanden ist diese Kooperation außer durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen auch durch Ähnlichkeiten der innenpolitischen Stellung von Putin und Erdogan, meint der Moskauer Politologe Andrej Kortunow. Beide predigen traditionelle Werte ihres Landes, fördern eine religiös motivierte Erneuerung und lehnen den westlich-globalisierten Liberalismus ab.

Roland Bathon | TELEPOLIS

Karabach ist nicht Syrien

Doch beide sind auch hart in der Vertretung ihrer außenpolitischen Positionen und die sind nun aufeinandergeprallt im kriegerischen Konflikt um Bergkarabach. Hier unterstützt die Türkei ungeteilt und notfalls auf dem Schlachtfeld Aserbaidschan, Russland will in der eigenen Nachbarschaft jedoch Ruhe um jeden Preis. Warum kam es hier, anders als etwa in Syrien, nicht zu einer Verständigung? Immerhin gab es auch im syrischen Krieg in Ankara und Moskau zunächst aktive Unterstützung für sich bekriegende Seiten?

Der Moskauer Journalist Kirill Kovosheev sieht die Ursachen für eine fehlende Karabach-Verständigung mit den Türken unter anderem auf der russischen Seite. Moskau betrachte den Transkaukasus als eine Zone eigener Interessen, meint er und lehne jede Einmischung von außen ab – gerade eine türkische, auch in Bezug auf eine Vermittlung. Deswegen habe man den nun mehr als brüchigen Waffenstillstand der beiden Kontrahenten nicht gemeinsam mit der Türkei, sondern alleine in Moskau vermittelt.

Bei der türkischen Seite wiederum ist der Wille zu einem Verständigungsfrieden an sich äußerst zweifelhaft. Gegenseitige Vorwürfe zwischen Moskau und Ankara heizen den Konflikt im Gegensatz an – Erdogan beschuldigt unter anderen aktuell Russland wegen Waffenlieferungen an Armenien, russische Zeitungen sind voll von Berichten über die türkische Militärhilfe für Aserbaidschan – etwa 600 türkische Soldaten sollen laut der Zeitung Kommersant in Aserbaidschan anwesend sein.

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