Allen Opfern gerecht werden

Bild: bb

Ein Plädoyer von Buchautor Ahmad Mansour für einen nationalen Gedenktag, der sämtliche Terroropfer in der Geschichte der Bundesrepublik würdigt.

Ahmad Mansour | Frankfurter Rundschau

An dem sonst so belebten Platz in Berlin ist es an diesem Abend im Dezember 2019 ganz still. Rote und weiße Windlichter tauchen die grauen Treppenstufen in ein Lichtermeer aus Kerzen. Dazwischen die dunkelgrünen Kränze aus Tannenzweigen. In den Stein der Stufen, die zu der Gedächtniskirche führen, sind Namen gehauen worden. Es sind die Namen der Menschen, die am 19. Dezember 2016 bei einem islamistischen Terroranschlag ihr Leben verloren. Zwölf Menschen in den Tod gerissen, über 100 verletzt. Um 20:02 Uhr läuten die Glocken der Gedächtniskirche, es ist der Zeitpunkt des Anschlags. Noch immer, drei Jahre später, ist die Anteilnahme groß.

Hanau: Rechtsextremist tötet neun Menschen

Acht Monate später in Hanau. Hier hat im Februar 2020 ein Rechtsextremist innerhalb von nur zwölf Minuten neun Menschen ermordet. Das Motiv: Hass auf Ausländer. Ein halbes Jahr danach laufen die Angehörigen der Opfer zusammen mit Demonstranten aus ganz Deutschland die drei Kilometer von einem Tatort zum anderen. Es ist ein Marsch, der an die Opfer erinnern und ermahnen soll, den Terror von rechts nicht zu vergessen.

Zwei Monate danach: Der Jahrestag des schrecklichen rechtsextremistischen Terrorakts in Halle jährt sich. Es war der Versuch, Juden in einer Synagoge zu ermorden, einfach weil sie Juden sind. Auch hier gedenkt man der Opfer, die vom Täter erschossen wurden: Die Kirchen läuten die Glocken, außerdem werden vor der Synagoge Kränze niederlegt und ein Mahnmal eingeweiht.

weiterlesen