Experte über islamistische Gewalt: „Prävention ist möglich“


In Dresden hat ein syrischer Islamist vermutlich einen Mann erstochen. Islamwissenschaftler Michael Kiefer spricht über mögliche Hintergründe.

Stefan Reinecke | taz

taz: Herr Kiefer, ein 20-jähriger Syrer, gerade aus der Haft entlassen, soll am 4. Oktober in Dresden einen Touristen erstochen und dessen Begleiter verletzt haben. Die Generalbundesanwaltschaft geht von einem islamistischen Terroranschlag aus. Was weiß man sonst noch über den Fall?

Michael Kiefer: Wir wissen, dass der mutmaßliche Täter 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. 2017 hat er sich dem IS zugewandt, 2018 ist er wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden. Interessant ist, dass er seine Haftstrafe bis zum letzten Tag absitzen musste. Das ist bei Jugendstrafen ungewöhnlich und ein Hinweis, dass die Resozialisierung in der Haft nicht gut lief. Er wurde ja nach der Entlassung auch unter Führungsaufsicht gestellt …

… das bedeutet?

… zum Beispiel, dass er sich regelmäßig melden muss oder sich an bestimmten Orten nicht aufhalten darf.

Das war offenbar zu wenig. Er soll sich als Attentäter angeboten haben, auf seinem Handy waren Anleitungen für Selbstmordattentate. Was wäre die Alternative zur Führungsaufsicht gewesen?

Sicherheitsverwahrung gibt es bei Jugendlichen nur bei langjährigen Haftstrafen. Möglich gewesen wäre eine Observierung, die aber personalintensiv ist und richterlich genehmigt werden muss. Ich warne davor, aus der Ferne und ohne Details der Risikoanalyse zu kennen, der Polizei und den Behörden Fehler zu attestieren.

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