Märchendeutung: Warum die Wahrheit religiöser Geschichten nicht in den Fakten liegt


Sind die Geschichten der Bibel und der Heiligen wahr? Ja, findet Reli-Lehrer Elmar Middendorf – aber anders als gedacht. Den Unterschied zwischen der tiefen Wahrheit dieser Erzählungen und deren Faktizität bestimmt auch seinen Unterricht.

Elmar Middendorf | katholisch.de

Als Religionslehrer werde ich nicht nur im Religionsunterricht mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit meiner Religion konfrontiert. Eine Freundin erzählt mir, sie gehe nicht mehr zum Gottesdienst. Das, was der Pfarrer über Jesus erzähle, über das, was da vor 2000 Jahren alles geschehen sein soll, das könne man einfach nicht glauben.

In einer Podiumsdiskussion über den Sinn von Religionsunterricht wird mir eine Studie vorgehalten, der zufolge Kinder, denen man die Schöpfungsgeschichten erzählt, später Schwierigkeiten haben, die Evolutionstheorie zu verstehen. Mit solchen Märchen müsse Schluss sein. Der Religionsunterricht gehöre abgeschafft.

Der Bestsellerautor Yuval Noah Harari schreibt: „Wer also Facebook, Trump oder Putin dafür verantwortlich macht, eine  neue beklemmende Zeit des Postfaktischen einzuläuten, sei daran erinnert, dass sich Millionen Christen schon vor Jahrhunderten in eine selbstverstärkende mythologische Blase eingeschlossen haben und es niemals wagten, die faktische Wahrhaftigkeit der Bibel infrage zu stellen.“

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