Regisseur Henning: „Bei Gesundheit gibt es Parallelen zu religiösen Konflikten“


Im neuen „Tatort: Krank“ widmet sich Rupert Henning dem Glaubenskrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Methoden

Oliver Mark | DERSTANDARD

Im neuen ORF-„Tatort“-Fall „Krank“ geraten Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser in einen Glaubenskrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden, nachdem ein Mädchen starb, weil es ihr Vater nicht adäquat hatte behandeln lassen – zu sehen am Sonntag, 25. Oktober, um 20.15 Uhr in ORF 2. Für Regie und Drehbuch ist Rupert Henning verantwortlich.

STANDARD: Ihre bisherigen Austro-„Tatort“-Folgen als Regisseur hießen „Grenzfall“, „Schock“ und jetzt „Krank“. Woher kommt Ihr Faible für so kurze Titel?

Henning: Weil man sich kurze Titel gut merkt. Es kann aber auch ein langer Titel prägnant sein. Zum Beispiel „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ – ein Film von Marc Rothemund. Den habe ich mir lange gemerkt. Ich habe vor einiger Zeit einen „Tatort“ in München gemacht, der hieß „One Way Ticket“. Das sind zumindest drei Worte.

STANDARD: Die Dreharbeiten zu „Krank“ fanden schon vor der Corona-Krise statt. Hätten Sie das Drehbuch jetzt – mit dem Wissen um Corona – anders geschrieben?

Henning: Nein, der „Tatort“ behandelt ja nicht Corona, sondern das Thema Gesundheit und wie mit ihr Geschäfte gemacht werden. Und es geht um die Frage: Warum gibt es diesen glaubenskriegsähnlichen Zustand in der Debatte zwischen der sogenannten Schulmedizin und der Alternativmedizin? Ich finde es problematisch, mit Filmen auf aktuelle Situationen reagieren zu wollen. Filme sind eher träge Tanker und keine wendigen Einhandsegler, deswegen können sie das aktuelle Weltgeschehen nur bedingt thematisieren und reflektieren. Ich würde jetzt keinen Film über die Corona-Krise machen. Das wäre Blödsinn – und unseriös. So als würde man einen Autounfall analysieren wollen, während man ihn hat.

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