Auch Jammern über Corona ist infektiös

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Alle sind erschöpft von der monothematischen Coronazeit, und schlechte Laune breitet sich aus. Macht die Gesellschaft jetzt schon schlapp? Ein Kommentar.

Esther Kogelboom | DER TAGESSPIEGEL

Dieser Leitartikel wird im Pyjama geschrieben. Alle sind erschöpft von der mentalen Herausforderung, dem „Mental Load“ der Pandemie, da ist es schon in Ordnung, sich gehen zu lassen, oder?

Der Kopf so leer wie ein ausgehöhlter Hokkaido-Kürbis, trotzdem wollen weitere 99 Informationen und Aufgaben verarbeitet werden – und die Liste wird täglich länger: Habe ich meine Maske dabei? Ist Sachsen-Anhalt Risikogebiet? Der Paketbote war da, muss ich jetzt querlüften? Sind die Alten in Sicherheit? Ist das noch Halskratzen oder schon Corona? Wie sind die Storno-Bedingungen für den Urlaub?

In dem einen Elternchat tobt die Diskussion, wer wann welchen Luftreiniger für die Klasse vorbestellt, wer ihn bezahlt und was Stiftung Warentest dazu sagt. In dem anderen Elternchat der Streit, unter welchen Bedingungen eine Halloween-Party stattfinden kann. Natürlich gar nicht! Die meisten stecken sich im häuslichen Umfeld an. Kinder seit Monaten vertrösten müssen kann auch sehr müde machen. Und bei Twitter trendet zeitgleich #zeitumstellung mit dem üblichen Gemecker: Die Uhr muss zurückgestellt werden.

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