Glauben gehört in die Kirche: Auch in Zeiten von Corona sind Meinungen keine Fakten


Ein Recht auf eigene Meinung heißt nicht Recht auf eigene Fakten. Wenn alle für wahr halten, was ihnen passt, geht das Denken unter.

Maren Urner | Frankfurter Rundschau

Die Rollen quietschen. Schläuche, Halterungen und sonstige Gerätschaften ragen aus dem mobilen Bett. Eine Notfallszene, wie wir sie alle mindestens aus Film und Fernsehen kennen. Im OP bereitet sich das medizinische Einsatzteam auf den schwer verletzten Patienten vor. Dann schaut die verantwortliche Ärztin in die Runde und sagt: „Ich glaube, wir sollten amputieren.“

Nur gut, dass der Patient das nicht gehört hat und mit dem verbleibenden Bewusstsein davon ausgeht, keiner Glaubensentscheidung über die Zukunft seines linken Arms ausgeliefert zu sein. Oder würden Sie sich gern in die Hände und Werkzeuge eines Ärzteteams begeben, das seine Entscheidungen auf Basis von „Glauben“ trifft? Wahrscheinlich nicht!

Irriger Glaube reist in Sekunden um die Welt

Medizinische Maßnahmen sollten genauso wenig wie politische oder gesellschaftliche Entscheidungen aufgrund von „Glauben“ gefällt werden. Warum nicht? Weil dann Tür und Tor für Willkür geöffnet sind. Weil dann Menschen alles „glauben“ dürfen, was ihnen in den Sinn kommt, und das Recht auf eine eigene Meinung mit einem Recht auf eigene Fakten verwechselt wird.

weiterlesen