Leben mit einem Corona-Skeptiker: „Ich verliere meinen Mann an die Verschwörungsszene“


  • Claudia Siebert ist Frührentnerin und Risikopatientin, ihr Ehemann arbeitslos und Corona-Skeptiker.
  • Er glaubt an geheime Mächte, gesteuerte Medien und manipulierte Infektionszahlen.
  • Sie hält dagegen. Das ist aber nicht immer die sinnvollste Strategie, sagen Psychologen.

Julia Rathcke | RND

Bild: RND

Irgendwann hat es angefangen. Irgendwann habe er aufgehört, Nachrichten zu konsumieren, langjährige Freunde zu treffen oder auch nur mit ihnen zu telefonieren. „Irgendwann hat er nur noch Zahnpasta ohne Fluorid gekauft, weil Fluorid uns alle vergifte“, sagt Claudia Siebert über jemanden, der ihr seit mehr als 20 Jahren so nahe steht und sich doch immer weiter von ihr entfernt: ihr eigener Ehemann.

Zunächst habe ihn die Esoterik gereizt, lange vor Corona, lange bevor das Virus den Alltag gesprengt hat und etliche Maßnahmen, Regeln und Ratschläge ihn neu zusammengesetzt haben. Heute sind es Verschwörungsmythen, mit denen sich ihr Mann ein Weltbild zurecht puzzelt, das nicht nur Claudia Sieberts Ehe gefährdet, sondern vor allem ihre Gesundheit.

Claudia Siebert heißt in Wahrheit anders. Weniger aus Angst vor Reaktionen von außen als aus Sorge um das letzte bisschen Frieden zu Hause möchte sie in diesem Text anonym bleiben – und trotzdem die Öffentlichkeit wissen lassen, wie es ist, einen nahen Angehörigen an die „Schwurblerszene“ zu verlieren, wie sie selbst sagt. Ihr Fall soll zeigen, wie wenig stereotypisch Verschwörungsgläubige sind und wie hilflos Angehörige; aber er soll auch zeigen, welches Verhalten helfen kann und welches eher nicht – und wann jede Hilfe womöglich vergebens ist.

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