„QAnon“ in Deutschland: Der Dolmetscher des Hasses


Die Verschwörungsphantasien der „QAnon“-Bewegung finden auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Nach Recherchen von WDR, NDR und SZ offenbar auch mit der Unterstützung eines Berliner Programmierers.

Lena Kampf, Sebastian Pittelkow, Katja Riedel, Teresa Roelcke | tagesschau.de

Ein Anhänger der QAnon-Bewegung erwartet die Ankunft von US-Präsident Trump. | Bildquelle: AFP

Der 21. September 2020 ist ein großer Tag für den Mann, der sich im Internet „Resignation Anon“ nennt. Der Telegram-Kanal, der für die Verbreitung von Verschwörungsphantasien namens „QAnon“ in Deutschland am wichtigsten ist, würdigt ihn. Die 126.000 Abonnenten des Kanals erreicht die Nachricht: „Resignation Anon“ sei einer der „ersten und bemerkenswerten deutschen Anons“, der „sehr bedeutende Arbeit“ leiste. Man gratuliert ihm zum „1000-tägigen Jubiläum“ als Anhänger von „Q“.

„Q“ ist der selbsternannte Prophet der Verschwörungserzählung „QAnon“, ein in großen Teilen antisemitischer und rassistischer Mythos. Dabei wird – ohne Belege – behauptet, die liberalen politischen und wirtschaftlichen Eliten würden einen internationalen Kinderhandelsring betreiben und die Welt werde von einer „Geheimregierung“ gesteuert. „Q“, dessen richtige Identität bisher nicht enttarnt werden konnte, kommuniziert seit Oktober 2017 auf sogenannten Imageboards, Nischenforen im Internet, die frei von Zensur, aber voll mit Hassbotschaften gegen Frauen, Schwarze oder Migranten sind. Seiner wachsenden Anhängerschaft sendet er, ähnlich wie ein Sektenführer, Botschaften, die sogenannten „Drops“. Es sind Orakel oder Vorhersagen, in denen er dazu auffordert, Zeichen zu deuten oder Zusammenhänge zwischen Ereignissen herzustellen.

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