Die Afterdienstler von Hellenhahn-Schellenberg


„Ich nehme erstlich folgenden Satz als einen keines Beweises benötigten Grundsatz an: alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.“

(Kant Werke Bd.7, Darmstadt 1968, S.842.)

Die Evolution ist eine nicht überall gern gesehene Realität. Das wurde am vergangenen Sonntag in der beschaulichen Westerwald-Gemeinde Hellenhahn-Schellenberg deutlich: 1.001 Wahlberechtigte waren bei einem Bürgerentscheid dazu aufgerufen, für oder gegen die Errichtung eines Evolutionsweges zu stimmen. Sie lehnten ihn ab.

Gisa Bodenstein | hpd.de

Eines der Schilder des Evolutionsweges in Kyritz an der Knatter (Brandenburg)Bild: hpd.de

Die Evolutionstheorie wurde auf vielfältige Weise wissenschaftlich untermauert und ist die allgemein anerkannte Grundlage für die Entwicklung des Lebens auf der Erde. Als die Menschen noch keine Möglichkeiten hatten, der großen Frage „Woher kommen wir?“ auf den Grund zu gehen, erdachten sie stattdessen Schöpfungsmythologien, um sich so die Entstehung der Welt zu erklären. Manche Menschen sind jedoch so verhaftet in ihrer mythischen Ersatzerklärung, dass sie diese nicht als solche erkennen können und gar als noch immer relevant gegenüber der Evolutionstheorie erachten.

Ein anschauliches Beispiel für diese paradoxe Situation lieferte nun der kleine Ort Hellenhahn-Schellenberg im Westerwald (Rheinland-Pfalz). Die dortige Bürgermeisterin, Birgit Schmidt, war auf den von den „Säkularen Humanisten Rhein-Neckar„, einer Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), entwickelten Evolutionsweg aufmerksam geworden, der mittlerweile an fünf Standorten in Deutschland die 4,6 Milliarden Jahre lange Geschichte von der Entstehung unseres Planeten bis zur Entwicklung des Menschen anschaulich darstellt. „Meine Intention war einfach: Toll, das ist Bildung, das ist Wissenschaft, das ist wie ein Museum im Freien“, erklärte Schmidt ihre Motivation in einem Beitrag des SWR. Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich für eine Verwirklichung auch in Hellenhahn-Schellenberg.

Doch die Bürgermeisterin hatte nicht mit den besorgten christlichen Bürgern ihrer gut 1.200 Einwohner zählenden Gemeinde gerechnet. Diese störten sich daran, dass öffentliche Gelder für ein von der gbs unterstütztes Projekt ausgegeben werden: Evolutionsweg-Gegner Günter Schmidt kritisierte im gleichen Beitrag den „Gebrauch der Steuergelder der Ortsgemeinde für eine doch sehr umstrittene Stiftung. Denn hinter diesem Evolutionsweg stehen die ‚Säkularen Humanisten‘ der Giordano-Bruno-Stiftung, die ausgesprochen religionsfeindlich agieren“.

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