Erdoğan ist ein kühl kalkulierender Wüterich


Der türkische Präsident facht immer neue Konflikte an. Das hat viel mit innenpolitischen Gründen zu tun, aber eben nicht nur. Umso wichtiger wäre es, ihm endlich einmal die Grenzen aufzuzeigen.

Tomas Avenarius | Süddeutsche Zeitung

Man muss Recep Tayyip Erdoğan nicht für den herausragenden Staatsmann halten, den zahlreiche Türken bis heute in ihm sehen. Unbestreitbar aber ist der türkische Präsident ein überaus zielsicherer Populist. Dies zeigt der rüde Umgang mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron. Der Türke hat dem Franzosen wegen seiner angeblichen „Islamophobie“ einen Besuch beim Irrenarzt nahegelegt. Selbstverständlich sind solche Beleidigungen im Umgang zwischen Staatsoberhäuptern mehr als unangemessen. Aber in der Türkei und der Islamischen Welt hat Erdoğan dennoch – oder gerade deswegen? – wieder einmal gepunktet.

Die Verunglimpfung oder auch nur die Verulkung des Propheten Mohammed durch Karikaturisten und das abgedroschene Narrativ von der bis heute anhaltenden Gängelung der Muslime durch die früheren europäischen Kolonialmächte löst in der islamischen Welt immer die eine, sehr absehbare Reaktion aus: Wut und Solidarisierung. Nicht ohne Grund hat die Islamische Republik Iran sofort den französischen Botschafter einbestellt, um ihm eine Predigt zu halten über die angebliche „Hasskultur“, die Europäer gegenüber den Muslimen pflegten. Die iranische Führung will sich von Erdoğan offenbar nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

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