Was für Trump spricht


Expect the Unexpected: Der US-Präsident wurde immer wieder unterschätzt

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Bild: Phil Roeder/CC BY 2.0

He’s a streetfighter. We need a streetfighter. You are going up against the bully.

Michael Moore, 2019

Are you ready for a Trump victory? Are you mentally prepared to be outsmarted by Trump again? Do you find comfort in your certainty that there is no way Trump can win? Are you content with the trust you’ve placed in the Democratic National Committee to pull this off?“

Michael Moore, 29.08.2020

Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Dies ist nur eine von vielen grundsätzlichen und über allen Lagerdifferenzen gültigen universalen Weisheiten des Politischen, die auch im Fall des 45. US-Präsidenten greifen. Es ist empfehlenswert, sich im Fall von Donald Trump an derartige Einsichten zu erinnern.

Etwa die alte Erfahrungsweisheit: Wenn sich die Position deines Gegenübers auf den Satz reduzieren lässt: „Das kann nicht passieren“, bedeutet dies, dass es passieren kann. Oder die Tatsache: Wahlstimmen sind Wahlstimmen, egal, von woher sie kommen. Oder die allgemeine Lebenweisheit: Expect the Unexpected!

Sie alle haben zusammengenommen den Wahlsieg von Donald Trump am 8. November 2016 erklärt, bevor er überhaupt geschah. Mit ihnen gerüstet hat der Verfasser hier an dieser Stelle bereits am 27. März 2016 einen Wahlsieg von Donald Trump als wahrscheinlich beschrieben. Sie können uns darum auf das vorbereiten, was auch in der Nacht des 3. November wieder geschehe könnte: Dass die Welt am Tag danach mit einem nie und immer erwarteten Wahlsieger aufwacht.

Aber es gibt auch ein paar objektive Faktoren, um Donald Trump nicht zu früh abzuschreiben.

Wahlrecht & Umfragen

In den Städten gewinnt man Umfragen, auf dem Land gewinnt man Wahlen. In einem Staat mit territorialem Wahlrecht müssen die Kandidaten einige Bundesstaaten gewinnen, die ländlich dominiert sind. Es nutzt ihnen nichts, wenn sie in Städten mit Margen von 60-70 Prozent aller Stimmen gewinnen, wie dies den Demokraten auch 2016 gelang.

Dies ist der Haken an Hilary Clintons Mantra vom „popular vote“, das sie 2016 gewonnen habe. Ihre Überzahl an Gesamt-Wählerstimmen kam ausschließlich aus der großen Zustimmung in den zwei urban dominierten Bundesstaaten New York und Kalifornien. Diese Staaten hatte auch Clinton gewonnen. Biden wird sie gewinnen, aber das nutzt ihm nicht viel.

Die Republikaner müssen nicht die Mehrzahl der Stimmen gewinnen, sondern die Mehrzahl der Wahlleute. Die Demokraten führen klar in den Umfragen. So wie Clinton im Oktober 2016. Die Demokraten führen aber weniger klar als 2018.

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