Kirchenjurist kritisiert Kopftuchverbot


Der Kirchenjurist Jörg Antoine sieht in der Haltung des Berliner Senats zum muslimischen Kopftuch im öffentlichen Dienst eine tiefer liegende Distanz gegenüber Religionen. Religiöse Neutralität im staatlichen Bereich werde in Berlin im Osten wie im Westen traditionell großgeschrieben, sagte der Konsistorialpräsident dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Dabei habe das Grundgesetz „vielmehr ein Modell der Kooperation zwischen Staat und Religionsgesellschaften vor Augen“. Dies werde in Berlin zu wenig beachtet, sagte Antoine mit Blick auf das Neutralitätsgesetz, dass unter anderem das Tragen religiöser Symbole im öffentlichen Dienst weitgehend verbietet. Antoine ist Chefjurist der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

„Zum Teil stoße ich hier in Berlin auf eine historisch begründete Ablehnung gegenüber Religionsgemeinschaften“, betonte Antoine. In Fragen des Kopftuchs kämen seiner Beobachtung nach „noch Ängste vor einem politischen Islam hinzu“. Dabei verwies Antoine auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2015, wonach religiöse Symbole auch bei Lehrerinnen im Schuldienst zulässig sind, wenn es keine konkrete Gefahr für den Schulfrieden gibt: „Entscheidend ist, was die Lehrerinnen im Kopf haben und nicht, was sie auf dem Kopf tragen.“

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