Polen: „Es geht um mehr als um das Abtreibungsrecht“


Renata Mienkowska-Norkiene vom Internationalen Institut für Zivilgesellschaft in Warschau über die von der rechten Regierung Polens ungeahnten Protestbewegung.

Bascha Mika | Frankfurter Rundschau

Die progressiven Polinnen und Polen müssen nun unverhohlen deutlich werden. Demonstration in Warschau. ©Agencja Gazeta / rtr

Am Rondo Dmowskiego im Zentrum von Warschau geht am Freitagabend zur Hauptverkehrszeit gar nichts mehr. Dicht gedrängt stehen Menschen auf dem riesigen Verkehrskreisel, mehrere Straßen sind von der Polizei abgesperrt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Auf Plakaten steht geschrieben: „Mein Körper, meine Wahl“. Oder: „Ich möchte sicher gebären, nicht für eine Idee“. Das erzkatholische Polen ist im Ausnahmezustand.

Denn nicht nur Linke und Liberale, nicht nur Frauen und LGBTQ-Gruppen begehren auf. Alle begehren sie auf. Warschaus Vize-Bürgermeister Pawel Rabiej schätzt, dass an diesem Wochenende allein in der Hauptstadt mehrere Zehntausend gegen die rechtsnationalistische PiS-Regierung marschieren. Auf Geheiß der PiS (steht für „Recht und Gerechtigkeit“) hat das Verfassungsgericht just entschieden, dass Frauen auch dann nicht abtreiben dürfen, wenn ihr Kind schwere Fehlbildungen hat – de facto herrscht in Polen also absolutes Abtreibungsverbot. Aber die Menschen wollen keine absolutistische Herrschaft akzeptieren. Die Politologin Renata Mienkowska-Norkiene marschiert mit – und sie analysiert klar die Lage.

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