Politische Bildung in den USA: Ahnungslos und abgehängt


Wie der weit verbreitete Mangel an staatsbürgerlichen Grundkenntnissen die Demokratiefähigkeit der Amerikaner untergräbt. Ein Essay.

William Collins Donahue | DER TAGESSPIEGEL

Mit politischem Unwissen zündeln. Amerikas Demokratie ist in Gefahr.Illustration: Martha von Maydell, mvmpapercuts.com

William Collins Donahue ist Cavanaugh Professor of the Humanities an der University of Notre Dame in Indiana. Der Germanist leitet außerdem die
Initiative for Global Europe an der Keough School of Global Affairs. Tilmann Schröter und Gregor Dotzauer haben seinen Text aus dem amerikanischen Englisch übersetzt.

Vor vierzig Jahren jobbte ich für ein Meinungsforschungsinstitut in Washington, D.C. Mich motivierten damals weder bürgerliches noch politisches Engagement, ich war einfach ein Student, der sich etwas Taschengeld verdienen wollte. Das Skript verlangte, zuerst die Namen des aktuellen Präsidenten und des Vizepräsidenten zu erfragen – damals waren dies Jimmy Carter und Walter Mondale.

Das aber war für eine meiner Gesprächspartnerinnen, die mir bis heute nicht aus dem Kopf geht, schon zu viel. „Meine Güte“, sagte sie mit zitternder Stimme, „das weiß ich nicht. Ich glaube, ich kannte die letzten beiden, aber ich bin mir nicht sicher, wer jetzt am Ruder ist.“

Peinliches Versagen

Sie machte eine Pause, um nachzudenken, aber kam nicht darauf. Bei der grundlegendsten bürgerkundlichen Frage zu versagen, war ihr hörbar peinlich. Aber sie erklärte mir, dass sie wirklich gerne behilflich sein wolle, aber mit all der Arbeit auf ihrer Farm habe sie keine Zeit, Politik so aufmerksam zu verfolgen, wie sie es gerne tun würde. „Könnten wir weitermachen und später noch mal auf diese Frage zurückkommen?“

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